Segeln : Wunder im Wind

Die Schweizer Yacht Alinghi gilt als großer Favorit im Duell mit Neuseeland um den America’s Cup.

Ingo Petz
Alinghi
Favorit: Die Schweizer Yacht Alinghi. -Foto: dpa

ValenciaWenn das Wunderschiff tatsächlich ein Wunderschiff ist, dann wird das mit Spannung erwartete 32. America's-Cup-Finale, das am Samstag in Valencia beginnt, ein sehr kurzes Schauspiel. Obwohl der Titelverteidiger Alinghi aus der Schweiz der Weltöffentlichkeit erst auf einer Pressekonferenz verkünden wollte, mit welcher Crew und mit welchem Boot man denn in die Rennen gegen den Herausforderer Neuseeland segeln wolle, war ein Geheimnis schon längst kein Geheimnis mehr. In einer kurzen Mitteilung wurde deshalb aus dem Schweizer Hauptquartier vermeldet: SUI 100 heißt die Waffe im Wiederholungsduell von 2003, in dem Alinghi den Cup erstmals seit 1851 nach Europa holte.

Alinghis Design-Koordinator Grant Simmer, der den Cup übrigens 1983 mit der legendären Australien II erstmals den US-Amerikanern entriss, hatte die Bootsgeschwindigkeit der SUI 100 in den vergangenen Tagen noch demonstrativ heruntergespielt. "Wir haben keinen nennenswerten Vorteil in der Bootsgeschwindigkeit gegenüber den Neuseeländern", sagte er, dann richtete er noch einige Komplimente an das neuseeländische Segel-Handwerk, das er für "sehr solide und fehlerfrei" halte. Fragen nach einer besonderen Kielfunktion seines Bootes quittierte Simmer nur mit einem verschmitzten Lächeln.

Diese Zurückhaltung ehrt den Koordinator der schweizerischen Kampagne mit den vielen neuseeländischen Seglern, aber inzwischen halten viele im Cup-Zirkus einen glatten 5:0-Sieg in der "Best-of-nine"-Serie gegen das rein neuseeländische Team für möglich. Obwohl sie noch in keinem offiziellen Rennen eingesetzt worden ist, gilt das neueste Modell aus dem Hause Alinghi als superschnelle Yacht. Die Italiener von Luna Rossa hatten nach ihrem gegen die Neuseeländer verlorenen Finale der Herausforderer-Runde die Ehre, als Trainingspartner gegen die Alinghi antreten zu dürfen. Obwohl man zu Stillschweigen verdonnert wurde, fand am Ende doch ein Zitat den Weg in die Freiheit. Demnach soll die SUI 100 auf einem Kreuzkurs bei Mittelwind zehn bis 15 Sekunden schneller sein als die Neuseeländer.

Wie man sieht, ist vor dem Finale nur eines sicher: nämlich nichts. Das Leben im Cup-Zirkus spielt sich zurzeit im Konjunktiv ab. Die Teams halten sich extrem bedeckt mit substanziellen Äußerungen. Abgesehen von einigen Scharmützeln zwischen Alinghis Eigner Ernesto Bertarelli und dem neuseeländischen Teamboss Grant Dalton, die ein wenig an die feurigen Anfeindungen der Vergangenheit erinnerten, blieb es an der Psycho-Front relativ ruhig.

Nur Peter Evans, Alinghis weniger zurückhaltender Taktiker, befeuerte ein wenig die Atmosphäre und schickte eine handfeste Drohung an seine Landsleute auf der gegenüberliegenden Seite des Cup-Hafens in Valencia. Der Neuseeländer glaubt, dass das Team New Zealand keine Chance hat. Auch nicht bei seichten Winden, in denen bis dato von der NZL 92 eine bessere Leistungsfähigkeit angenommen worden war. Bisher vermuteten Experten, dass die Schweizer aufgrund ihres Bootsdesigns bei Winden unter zwölf Knoten Probleme bekommen könnten. Ihr Boot schien eher für die Ende Juni vor Valencia erwarteten Wind-Bedingungen gebaut. Deswegen sind die Augen morgen auch auf den Wind gerichtet, der in diesem Jahr - wie der Flauten gegängelte April bereits gezeigt hatte - alles andere, als das tut, was man von ihm erwartet. Damit verhält er sich wie bislang alle anderen Beteiligten am 32. America's-Cup-Finale.