Serie Naturerlebnis Brandenburg : Bei Honecker auf der Couch

Im Jagdschloss Hubertusstock traf der DDR-Chef auch mit Schmidt, Strauß und Breschnew zusammen. Bei einigen Besuchern mögen die Einrichtungsgegenstände noch ganz andere Erinnerungen wachrufen.

Nostalgisch. Das Jagdschloss Hubertusstock ist nur eine Kopie.
Nostalgisch. Das Jagdschloss Hubertusstock ist nur eine Kopie.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Mitten im Wald hat Honeckers Paradecouch alle Stürme der Zeit fast unbeschadet überstanden. Der grüne Stoff weist keine Flecken auf und selbst die Sitzproben der zahlreichen Neugierigen in den letzten Jahren haben kaum Spuren hinterlassen. Deren Interesse an dem guten Stück beruht vor allem auf der Erinnerung an nostalgische Fotos in Schulbüchern, Biografien oder Propagandaschriften. Sie zeigen bekannte Politiker an der Seite des DDR-Staatschefs eben auf diesem alten Sofa. Es steht im heute nach längerer Pause wieder als Hotel genutzten Jagdschloss Hubertusstock unweit des Werbellinsees in der Schorfheide.

Hier ließen sich Staatsmänner aus aller Welt von den Fotografen ins rechte Licht rücken. Auf der Couch saßen beispielsweise Helmut Schmidt, Franz-Josef Strauß, Fidel Castro, Leonid Breschnew oder Oskar Lafontaine. Das 1973 abgerissene und zumindest äußerlich im bayerischen Landhausstil wiederaufgebaute Jagdschloss diente bis 1989 als Regierungsgästehaus. Bei einigen Besuchern mögen die Einrichtungsgegenstände noch ganz andere Erinnerungen wachrufen. Ähnliche Exemplare standen auch im Palast der Republik in Berlin, der zur gleichen Zeit im ähnlichen Stil eingerichtet worden war.

Von einer ziemlich rabiaten Tilgung der Vergangenheit berichtet dagegen die Chefin des direkt am Wasser gelegenen Hotels und Restaurants „Café Wildau“, Caren von Hertzberg. „Wir trauten beim Wiederaufbau des historischen Ausflugslokals zuerst unseren Augen nicht, als wir am Ufer nicht nur viele originale Steine des Vorgängerbaus, sondern auch Tassen und Teller der alten Einrichtung der Gaststätte fanden“, erzählte sie: „Das Rätsel löste sich nach einigen Gesprächen mit Einwohnern“: Eine Woche vor dem Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt im nahen Jagdschloss Hubertusstock im Dezember 1981 seien die Reste der ehemaligen Gaststätte kurzerhand in den See geschoben worden. Der Gast sollte keine Ruinen zu Gesicht bekommen, falls ihm damals der Sinn nach einem Spaziergang am See gestanden hätte. Er blieb aber die ganze Zeit im Jagdschloss, unter anderem auf dem heute so berühmten Sofa. (Ste.)

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