Serie Naturerlebnis Brandenburg : Im Treidelkahn auf einem alten Kanal

Die Wasserstraße des Großen Kurfürsten dient heute nur noch dem Touristenvergnügen.

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Ahoi. Michael Rost schippert Touristen auf dem Friedrich-Wilhelm-Kanal.
Ahoi. Michael Rost schippert Touristen auf dem Friedrich-Wilhelm-Kanal.Foto: Steyer

Ein Blick in die lange Chronik des Friedrich-Wilhelm-Kanals bei Müllrose offenbart eine erstaunliche Parallele zur Gegenwart: Auch heute werden bekanntlich feierliche Akte zur Fertigstellung großer Bauten oft nach den freien Terminen wichtiger Personen festgelegt. Dass dies aber auch im 17. Jahrhundert so war, überrascht: Das erste Schiff passierte jedenfalls bereits am 25. Mai 1668 den in sechs Jahren gegrabenen Wasserweg zwischen der Oder bei Brieskow und der 23 Kilometer entfernten Spree bei Neubrück. Aber die offizielle Eröffnungsfeier fand erst rund zehn Wochen später statt.

Eine frühere Gelegenheit fand sich offenbar im Kalender des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm nicht, zumal das Reisen vor mehr als 300 Jahren noch recht beschwerlich vor sich ging.

Über diese Umstände und noch viele andere Dinge lässt sich vortrefflich an Bord des einzigen Schiffes auf dem historischen Teil des Kanals plaudern. „Unser Treidelkahn macht längst vergangene Zeit wieder lebendig“, sagt der Kapitän des Touristenbootes, Michael Rost. „Wir können zwar nur etwa eine halbe Stunde von Groß Lindow aus in eine Richtung fahren und müssen dann wenden, aber diese schöne Landschaft wirkt einfach sehr beruhigend.“ Dabei macht er am Ruder selbst einen gelassenen Eindruck. Auf einem echten Treidelkahn würde es natürlich ganz anders zugehen. Solche Schiffe wurden vor der Erfindung der Maschinen von Menschen oder Tieren am Ufer gezogen. Dank des Motorantriebs aber kann sich der Kapitän ausgiebig den neugierigen Fragen der Gäste widmen.

Im Mittelpunkt steht oft die Geschichte der alten Wasserstraße, die jahrzehntelang die schnellste Verbindung zwischen Schlesien, Berlin und Hamburg sowie den Zentren im Westen darstellte. Doch der ständige Wassermangel, viele Schleusen und begrenzte Ausmaße führten im 19. Jahrhundert zu Überlegungen über eine neue Verbindung. Dieser Oder-Spree-Kanal war dann 1868 fertig und überließ einen rund zehn Kilometer langen Abschnitt des alten Friedrich-Wilhelm-Kanals der Natur. Die eroberte einen Teil zurück, den nun Ausflügler aus Richtung Kaisermühl erleben können. Der asphaltierte Uferweg gehört zu den schönsten im Schlaubetal. Ste.

Der Treidelkahn startet in Groß Lindow samstags und sonntags 14 und 17 Uhr sowie mittwochs bis freitags 17 und 21 Uhr (www.treidelkahn.de)

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