Serie Naturerlebnis Brandenburg : Mit Mann im Ohr durch Wald und Flur

In der Nähe des Dorfes Sauen bietet eine Försterin den ersten Audioguide für die Natur an Natur. Auf einem drei Kilometer langen Rundkurs können Interessierte alles über den Wald östlich von Bad Saarow lernen.

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Der dritte Teil unserer Naturserie führt rund um das Märkische Meer. An der Groß Schauener Seenkette bei Storkow freuen sich Fische auf viele Besucher.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
06.05.2011 11:24Der dritte Teil unserer Naturserie führt rund um das Märkische Meer. An der Groß Schauener Seenkette bei Storkow freuen sich...

Beim Blick auf die langen Listen mit Namen, Terminwünschen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen kam der Försterin Monique Müller eine etwas verwegene Idee: Man müsste die vielen Neugierigen mit einem Audioguide durch ihren gefragten Wald schicken. Die in Kunstausstellungen, Museen und einigen Städten funktionierende Methode könnte vielleicht auch in einem grünen Terrain zwischen Vogelgezwitscher, klopfenden Spechten und außergewöhnlichen Bäumen und Sträuchern auf Interesse stoßen und die Försterin andererseits entlasten. Die junge Frau sollte recht behalten. Im östlich von Bad Saarow gelegenen Dorf Sauen begeben sich neuerdings Frauen, Männer und ganze Familien mit einem kleinen sprechenden Gerät am Ohr auf Exkursion.

„Auf einem drei Kilometer langen Rundkurs fehlt es nicht an Attraktionen“, versichert die Försterin bei der Ausgabe der leichten Audioguides im Informationszentrum in der Dorfmitte. Bei dieser Gelegenheit erklärt sie auch gleich die Herkunft des ungewöhnlichen Ortsnamens. Sauen bedeute so viel wie „von Eulen bewohnt“. Von diesen Vögeln gibt es aber auf Anhieb keine Spuren zu entdecken. Dafür stehen auf den Koppeln zahlreiche Pferde, während aus dem restaurierten Gutshaus wundersame Töne dringen: Schauspiel- und Musikstudenten aus Berlin lassen sich hier von der Natur inspirieren. Im Wald stehen von Studenten anderer Fakultäten gefertigte Kunstwerke. Auch an ihnen führt der ausgeschilderte Weg vorbei.

Nach einer kurzen Einführung in die Technik kann es auf die Entdeckungstour gehen, wobei per Knopfdruck die Wahl zwischen einer Familien- und einer Wissenschaftlervariante fallen kann. In beiden Versionen taucht immer wieder ein Name auf: August Bier. Der 1949 verstorbene Chirurg aus Berlin hatte 1912 ein 630 Hektar großes Waldstück bei Sauen gekauft. Nach den uralten Lehrsätzen von Heraklit „Alles fließt“ und „Die Gegensätze fügen sich zur Harmonie“ hatte er sich als Autodidakt das Ziel gesetzt, dem Wald ein ganz neues Gesicht zu geben.

Das Ergebnis kann sich bis heute sehen lassen. Dank des elektronischen Führers wird der Laie mit einer kaum zu fassenden Vielfalt vertraut gemacht. Im Sauener Wald wachsen 460 verschiedene Gehölze, darunter allein 17 Tannenarten.

Vielleicht suchen sich Neugierige deshalb oft ein ruhiges Plätzchen, um den vielen Informationen aus den kleinen Hörern zu lauschen. Da geht es auch um den Sinn der Kombination von Nadel- und Laubbäumen, um die Rolle von Tief- und Flachwurzlern, von Humusbildnern und Humusverzehrern sowie dem richtigen Abstand zwischen Bäumen und Sträuchern.

Ein kleiner Faltplan mit allen Stationen sowie Ziffern auf Findlingen am Wegesrand weisen dem Spaziergänger den richtigen Weg. Dabei kommen sie auch an der letzten Ruhestätte von August Bier und dessen Frau mitten im Wald vorbei.

„Wir gehen sehr offen mit der Biografie des Wissenschaftlers um“, sagt Försterin Müller. „Er war ja nicht nur an der Entwicklung der Rückenmarksnarkose, sondern auch an der Erfindung des Stahlhelms für die Wehrmacht beteiligt.“ Das werde aus seiner Biografie nicht ausgeblendet.

Heute kümmert sich neben der Försterin vor allem Conrad Baldamus um den wertvollen Forst, der Interessierte aus aller Welt anlockt. Der Enkel von August Bier, der einer gleichnamigen Stiftung vorsteht, hält den Audioguide für eine „tolle Erfindung“. Er führe auch Menschen in die Natur, die sonst vielleicht ganz andere Dinge in der Freizeit unternehmen würden. „Jetzt brauchen wir nur noch ein Programm für Kinder“, sagt der Arzt im Ruhestand, der seit der Übernahme des Waldes durch die Stiftung vor einigen Jahren in Sauen wohnt.

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