SERIE WENDEKalender : 23. März 1989

Otto Schily mischt mit im Häuserkampf. Und Ost-Berlin plant eine Riesendisko.

In West-Berlin streitet die rot-grüne Koalition um die Räumung besetzer Häuser. Vor zwei Tagen hatte die Polizei acht Häuser vor allem in Kreuzberg mit dem Segen der grün-alternativen Senatorinnen geräumt. In der AL-Fraktion sind einige Abgeordnete nun äußerst zerknirscht. AL-Sprecher Dirk Schneider (er wird nach der Wende als IM enttarnt) erklärt, man habe sich darauf verständigt, dass neue Besetzungen sofort beendet werden sollten, bestehende allerdings ein Anrecht auf Verhandlungen hätten. Grünen-Bundestagsabgeordneter Otto Schily hält neue Hausbesetzungen für eine „offene Kampfansage an die rot-grüne Koalition“.

Ost-Berlin will laut „Morgenpost“ an der Ecke Leipziger Straße / Friedrichstraße ein „Haus der Unterhaltung und Gastronomie“ errichten, mit der „größten Discothek der DDR“ samt modernster Licht- und Tontechnik. Ein Ballsaal im Stil der 20er Jahre sei geplant, außerdem ein Restaurant der Spitzenklasse, ein Fitness-Center, ein Billardsaal und eine Kabarettbühne. Voraussichtliche Eröffnung des siebenstöckigen Gebäudes: 1991.

Morgenpost-Leser Henrik Wuttig ärgert sich unterdessen über teure Kohlentransporte von Staaken nach Kladow. Große Teile der Senatskohlenreserve sollen dort in einer Kiesgrube vergraben werden, damit der fossile Brennstoff nicht weiter verwittert und so an Wert verliert. „Anstatt die halbvergammelte Kohle zu verbrennen, bekommt sie ein Begräbnis erster Klasse. Nach ihrer zweiten Förderung aber wird sie zum Heizen kaum noch zu gebrauchen sein“, meint Wuttig. (loy)

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