Der Tagesspiegel : Sexualstraftäter: Land richtet Zentraldatei ein

Peter Tiede

Potsdam - Brandenburg will eine Zentraldatei über entlassene Sexualstraftäter einführen. In der Datei sollen bei der Haftentlassung besonders rückfallgefährdeter Sexualstraftäter Daten erfasst werden, die für die örtliche Polizei wichtig sein können. Neben früheren Delikten sind das unter anderem Wohnortwechsel, therapeutische Auflagen sowie das Rückfallgefährdungspotenzial.

Wann die Datei, die es bisher nur in Bayern gibt, in Brandenburg eingeführt werde, sei aber noch nicht geklärt, sagte der Sprecher des brandenburgischen Justizministeriums, Thomas Melzer, dem Tagesspiegel. Derzeit gebe es „auf Arbeitsebene“ erste Gespräche zwischen Justiz-, Innen- und Sozialministerium.

Aus dem Innenministerium hieß es gestern, die sogenannte HEADS-Datei (Haft-Entlassenen und Auskunfts-Datei-Sexualstraftäter) solle schnellstmöglich beim Landeskriminalamt (LKA) eingeführt werden. Das LKA würde die Daten aktualisieren und etwa bei einem Wohnortwechsel eines entlassenen, als rückfallgefährdet eingestuften Sexualstraftäters die lokale Polizei informieren.

Nach Angaben aus dem Justizressort ist noch offen, ob die brandenburgische Datei so aufgebaut sein wird wie das bayerische Vorbild, das auf Knopfdruck ein Personenprofil mit allen relevanten Täterinformationen liefert. Ebenfalls abrufbar sind in Bayern sämtliche Dossiers, die im Rahmen der Verurteilung angelegt wurden. Immer wieder hatte die Polizei in der Vergangenheit beklagt, zu wenige Informationen über haftentlassene Sexualstraftäter zu erhalten. Erst im Januar hatte der Fall Uwe K. in Brandenburg für Schlagzeilen gesorgt. Der Mann, der von 1992 bis 1995 neun Mädchen sexuell missbraucht und deshalb eine elfjährige Freiheitsstrafe verbüßt hatte, war ohne Wissen der Polizei entlassen worden, obwohl ihn Gutachter für rückfallgefährdet hielten. Peter Tiede

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