Der Tagesspiegel : Sicher fahren wie James Bond

Die Brandenburger Firma Stoof International rüstet Autos mit Panzerglas um. Die Geländewagen fahren in Irak, in Israel, in Jordanien und Osteuropa. Die Nachfrage steigt

Claus-Dieter Steyer

Borkheide. Selbst der Schuss aus einer Kalaschnikow aus zehn Metern Entfernung konnte dem Fenster nichts anhaben. Das Panzerglas an dem Geländewagen hielt sogar einem Dauerfeuer stand. Zufrieden demonstrierte Geschäftsführer Fred Stoof in der neuen Produktionsstätte seiner gleichnamigen Firma in Borkheide das zwar beschädigte, aber nicht durchschlagene Seitenfenster.

Täglich sind solche umgebauten Fahrzeuge aus dem kleinen Dorf in der Nähe von Beelitz im Irak und anderen Krisengebieten im Einsatz. Da die Nachfrage nach gepanzerten Autos auch für Privatpersonen und für Geld- und Werttransporte enorm steigt, hat das Unternehmen „Stoof International“ seine Kapazitäten ausgebaut. 60 Mitarbeiter bauen in Borkheide unterschiedliche Serienfahrzeuge um.

Begonnen hatte die erstaunliche Firmengeschichte Anfang 1990 mit einem Ärgernis. Damals wollte Fred Stoof in seinem Karosserie-Betrieb einen beschädigten Geldtransporter reparieren. Er brauchte Panzerstahl und fragte bei dem zu jener Zeit in Mannheim sitzenden bundesdeutschen Marktführer nach. Doch der dortige Chef wehrte ab. „Das schafft ihr Ossis nicht. Schickt den Wagen zu uns.“ Stoof fühlte sich in seiner Berufsehre angegriffen und stürzte sich in ein völlig neues Geschäftsfeld. Heute besitzt sein Unternehmen 50 Prozent Marktanteil an Geld- und Werttransportern in Deutschland. Das Geschäft vor allem mit dem Umbau von Privatlimousinen für Kunden aus Osteuropa, Israel, Jordanien und andern Ländern wächst. In vielen Staaten werden Servicestationen eingerichtet, darunter im irakischen Basra.

Da solche Erfolgsbilanzen gerade in Brandenburg nicht alltäglich sind, lobte Regierungschef Matthias Platzeck „Freed International“ als „Beispiel für den Motor des Mittelstandes“. Erfolgreich seien solche Firmen, die flexibel sind und sich neue Märkte erschließen. Ein mit Satellitenanlage, Minikameras und vielen anderen elektronischen Details ausgestatteter Wagen erinnerte Platzeck an James-Bond-Filme. „Der Held meistert bekanntlich jede ausweglos erscheinende Gefahrensituation mit Bravour und landet mit akkurat gescheitelter Frisur in den Händen schöner Frauen“, sagte er mit neidischem Blick.

Wer seinen Geländewagen oder seinen Pkw in Borkheide mit Panzerstahl und anderem Service umbauen lassen will, zahlt im Schnitt den dreifachen Kaufpreis des Serienfahrzeuges. Die Umrüstung eines etwa 30000 Euro teuren Toyota Land Cruiser, der von Hilfsorganisationen in aller Welt bevorzugt wird, kostet rund 70 000 Euro. Den Fahrern wird zusätzlich ein Sicherheitstraining angeboten, in dem die Autos unter anderem mit Farbmunition beschossen und die Reifen zerstört werden. Ein viertägiges Training kostet rund 2000 Euro. Kunden aus Russland fragen eher nach einer Luxusausstattung. Sitze erhalten dann beispielsweise ein Massagegerät und der Innenraum eine Bar. Serienhersteller können kaum auf alle individuellen Wünsche eingehen. Das ist die Chance für die Borkheider Firma.

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