Sicherheit : Autorin Taslima Nasreen fühlt sich eingesperrt

Einst floh sie aus ihrem Heimatland Bangladesch nach Kalkutta in Indien. Doch dort wurde die Islam kritische Schriftstellerin jetzt von Moslems bedroht und nach Neu Delhi gebracht. Aber auch hier ist Nasreen nicht frei.

Neu Delhi Die Autorin Taslima Nasreen, die nach Protesten aufgebrachter Muslime von der indischen Regierung in Sicherheit gebracht wurde, fühlt sich unter Hausarrest gestellt. Die aus Bangladesch stammende Schriftstellerin sagte der "Times of India", ein Vertreter des Außenministeriums habe ihr gesagt, sie dürfe sich aus Sicherheitsgründen nicht in der Öffentlichkeit zeigen, keine Freunde besuchen und nicht in ihre Wahlheimat Kalkutta zurückkehren. Wenn sie in Indien bleiben wolle, so sei ihr gesagt worden, "werde ich unter Hausarrest bleiben müssen".

Bei gewalttätigen Demonstrationen im vergangenen Monat hatten Muslime in Kalkutta gefordert, Nasreens Indien-Visum für ungültig zu erklären. Die Regierung, die sich am Freitag nicht zu Nasreens Aussagen äußern wollte, hatte Nasreen an einen unbekannten Ort in der Hauptstadt Neu Delhi gebracht. Nasreen betonte heute, sie würde gerne in Indien bleiben. Sie sei keine Kriminelle. Die indische Aufenthaltserlaubnis der 45-Jährigen läuft am 17. Februar kommenden Jahres ab. Indische Medien hatten spekuliert, dass die Regierung versuchen könnte, die umstrittene und von Muslimen angefeindete Schriftstellerin zum Verlassen des Landes zu bewegen.

Nasreen hatte versucht, die Wogen zu glätten, und Ende November angekündigt, umstrittene Passagen aus ihrem Buch "Dwikhandita"(Zweigeteilt) zu streichen. Sie hatte gesagt, sie hoffe, dass sie danach friedlich in Indien leben könne. Nasreen hat die indische Regierung um Bleiberecht gebeten und bemüht sich um die indische Staatsbürgerschaft. Sie hat mehrfach erklärt, sie würde gerne dauerhaft in der Kulturmetropole Kalkutta - der Hauptstadt des Bundesstaats West-Bengalens - leben. "Dwikhandita" (das in Bangladesch unter dem Namen "Ka" veröffentlicht wurde und dort auf dem Index steht) erschien in Indien im Jahr 2002.

Die Regierung West-Bengalens verbot das Buch im folgenden Jahr mit der Begründung, dass darin enthaltene Kommentare gegen den Islam und den Propheten Mohammed die Gefühle von Muslimen verletzen und zu Gewalt führen könnten. Ein Gericht verfügte 2005, dass das Buch in West-Bengalen wieder erscheinen dürfe.

Morddrohungen muslimischer Extremisten hatten Nasreen 1994 veranlasst, aus Bangladesch ins Exil nach Schweden zu flüchten. Im selben Jahr verlieh ihr das Europaparlament den "Andrej-Sacharow-Preis für geistige Freiheit". 1995 hielt sie sich für ein Jahr in Berlin auf. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat 1998 musste sich Nasreen wegen ihres islamkritischen Buches "Schande" massiver Anfeindungen erwehren. Wegen angeblicher Gotteslästerung und Verunglimpfung des Korans sind mehrere ihrer Bücher in Bangladesch verboten. Seit 2005 lebt Nasreen in Kalkutta. (liv/dpa)