Silverstone : Räikkönen siegt beim England-Grand-Prix

Der Finne Kimi Räikkönen hat mit seinem zweiten Sieg in Serie dem britischen Senkrechtstarter Lewis Hamilton das Heimrennen gründlich vermasselt und für neue Spannung in der Formel-1-WM gesorgt.

Claas Hennig[dpa]
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Kimi Räikkönen: Sieg in Silverstone beim Ferrari-Jubiläum. -Foto: AFP

SilverstoneKimi Räikkönen hat mit seinem zweiten Sieg in Serie WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes das Heimrennen gründlich vermasselt und für neue Spannung im Titelrennen gesorgt. Nur eine Woche nach seinem Triumph mit Ferrari in Frankreich entschied der 27 Jahre alte Finne auch den Großen Preis von Großbritannien zu seinen Gunsten vor dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso und krönte mit seinem Premierenerfolg in Silverstone den 750. Formel-1-Start der Scuderia. Der britische Jungspund Hamilton belegte im zweiten Silberpfeil den dritten Platz.

Auch wenn er den prestigeträchtigen Heimtriumph verpasste, verteidigte Hamilton mit seinem neunten Podestplatz im neunten Grand Prix klar die WM-Führung. Bei Halbzeit liegt der Senkrechtstarter mit 70 Punkten vor Alonso (58). Räikkönen (52) schob sich durch seinen dritten Saisonerfolg in der Gesamtwertung vor seinen Teamkollegen Massa (51). Dieser büßte seine Siegchancen schon vor dem Start ein: Wegen eines technischen Defektes musste der 26 Jahre alte Brasilianer aus der Boxengasse ins Rennen gehen und das Feld eine zweite Einführungsrunde fahren. Für Massa bedeutete der fünfte Platz nach einer bravourösen Aufholjagd einen Rückschlag im Titelrennen.

Heidfeld bester Deutscher

Nick Heidfeld holte als Sechster drei WM-Punkte. Der BMW-Sauber-Pilot aus Mönchengladbach machte auf dem 5,141 Kilometer langen Kurs insgesamt drei Ränge vom Start weg wett und fuhr ein ordentliches Rennen. Nico Rosberg (Wiesbaden) konnte im Williams-Toyota nach dem verpatzten Qualifying zwar auch noch an Boden gut, musste sich aber mit Rang zwölf begnügen.

Ralf Schumacher musste einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Der 30 Jahre alte Kerpener musste seinen Toyota in der 24. von 59 Runden wegen eines Kupplungsschadens Defektes an der Box abstellen. Zu diesem Zeitpunkt lag der vom sechsten Platz gestartete Schumacher an elfter Stelle. Adrian Sutil (Gräfelfing) rollte mit seinem Spyker schon im 17. Umlauf aus.

Glamour-Paar am Streckenrand

Der Hamilton-Hype lockte an den drei Grand-Prix-Tagen 255.000 Fans an und damit 65.000 mehr als im Vorjahr. Am Sonntag strömten 85.000 Zuschauer auf die Traditionsstrecke, darunter das Glamour-Paar Victoria und David Beckham. Sie hofften allerdings vergeblich auf den ersten Sieg eines Briten seit 2000. Damals hatte der Schotte David Coulthard in einem McLaren-Mercedes gewonnen.

Räikkönen gewann auch dank der besseren Boxenstrategie nach 303,214 Kilometern in 1:21:43,074 Stunden mit 2,459 Sekunden Vorsprung vor Alonso. Hamilton lag 39,373 Sekunden zurück. Der Pole Robert Kubica belegte als bester BMW-Sauber-Vertreter den vierten Platz.

Tankstrategie wieder entscheidend

Der von der Pole-Position gestartete Hamilton verteidigte die Führung gegen den gleich beim Start wild attackierenden Raikkönen. In der 14. Runde hätte der Finne den jungen Briten fast gepackt, aber dieser konnte den Angriff gerade noch einmal abwehren. Zwei Umläufe später übernahm der Ferrari-Vertreter die Führung durch Hamiltons frühen ersten Boxenstopp ohne eigenes Zutun. Der Brite zeigte beim Reifenwechsel Nerven und ließ die Kupplung zu früh kommen, was zusätzliche hundertstel Sekunden kostete. Räikkönen tankte zwei Runden später und lag danach vor Hamilton. Lachender Dritter der ersten Abfertigungsrunde des Führungstrios war jedoch Alonso: Der als Letzter stoppende Spanier übernahm die Spitze vor dem Finnen und seinem Teamkollegen.

Beim zweiten Tanken fiel die Entscheidung über den Sieg: Räikkönen steuerte viel später als die beiden silbernen Konkurrenten die Box an und konnte damit den früh hereingekommenen Alonso an der Spitze wieder ablösen. Danach ließ der Finne nichts mehr anbrennen und fuhr seinen insgesamt zwölften Grand-Prix-Erfolg sicher nach Hause.