Der Tagesspiegel : Singen für Schloss Sacrow

Die Mezzo-Sopranistin Marina Philippowa und ein Förderverein veranstalten Konzerte in dem alten Prachtbau. Mit dem Erlös soll er weiter saniert werden.

Juliane Schäuble

In Schloss Sacrow wohnen schon lange keine Adligen mehr. Schloss und Park wurden zu DDR-Zeiten von Grenzsoldaten und deren Zollhunden genutzt. Eine wenig spektakuläre Vergangenheit. Und genau das ist das Problem: An dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden, im 19. Jahrhundert von Ludwig Persius umgebauten Barockbau besteht vergleichsweise wenig denkmalpflegerisches Interesse.

Zwar ging das Schloss 1993 an die „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ über, und der 26 Hektar große Landschaftspark, von Peter Joseph Lenné gestaltet und nach 1990 wiederhergestellt, steht auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Aber die Träume einer dauerhaften musealen Nutzung des Herrenhauses gingen nicht auf. Nachdem das Dach instand gesetzt und eine Heizung installiert worden war, wurden die Renovierungsarbeiten abgebrochen. Fußböden, Fenster, Wände – an allen Ecken und Enden besteht Sanierungsbedarf, bevor das Gebäude genutzt werden kann. Doch dafür fehlt das Geld.

Damit wollen sich die Sacrower aber nicht abfinden. Keine 200 Einwohner hat der zu Potsdam gehörende Ort, aber im Förderverein „Ars Sacrow“ sind schon über 40 Mitglieder. Vor drei Jahren gegründet, kümmert er sich um Kirche, Schloss und Schlosspark in Sacrow. Gerade erst hat der Verein für 4000 Euro einen Raum mit Parkett ausgelegt und ein Fenster erneuert. „Zu tun gibt es aber noch viel mehr“, sagt Erika Schultz. Die frühere Küsterin der Sacrower Heilandskirche ist im Vorstand von Ars Sacrow.

Ein besonders engagiertes Mitglied ist auch Marina Philippowa. Die russische Mezzo-Sopranistin zog zwar erst Anfang des Jahres von Essen nach Sacrow. Aber da ihr Mann ursprünglich aus dem kleinen Ort stammt, kam sie schon seit Jahren immer wieder zum Urlaub hierher. „Ich habe mich gleich beim ersten Besuch in diese magische Gegend verliebt“, sagt Philippowa. Vor den Toren Berlins gelegen, übt der kleine, auf einer Halbinsel zwischen Havel und Sacrower See gebaute Ort auf viele Besucher eine geheimnisvolle Wirkung aus. Es gibt nur zwei Wege, um dorthin zu finden; einfach so kommt man eigentlich nicht vorbei. Die schönen alten Häuser entlang der schmalen Kladower Straße stehen fast alle unter Denkmalschutz. Auch das dunkelbraune Holzhaus, in dem Marina Philippowa wohnt. Von hier kann die Sängerin mit ihrem kleinen Boot zum Schloss paddeln – wenn das Wetter schön ist, macht sie das jeden Tag. Zu tun gibt es für sie dort genug, denn sie organisiert die neue Konzertreihe „Europäische Hofmusik in Schloss Sacrow“, deren Erlös dem Schloss zugute kommen soll. Auf dem von ihr zusammengestellten Programm steht Musik „aus Versailles“, „vom russischen Zarenhof“ und „aus Schloss Sanssouci“. Die Noten dazu hat sie in den Archiven ihrer Heimatstadt St. Petersburg herausgesucht und teilweise sogar von Hand abgeschrieben.

Die drei Konzerte werden wohl im Spiegelsaal stattfinden, der ist zur Zeit der repräsentativste Raum. Beim kurzen Probesingen hallte er zwar sehr. „Aber das legt sich, wenn der Saal voller Leute ist.“ Philippowa muss es wissen, blickt sie doch auf eine internationale Konzertkarriere zurück; auch CDs mit alter Musik hat sie produziert. Für die Benefizkonzerte hat sie noch sechs weitere Musiker gewonnen. Die Berliner Sabine Erdmann am Cembalo und Niklas Trünstedt auf der Viola da Gamba begleiten sie beim ersten Mal. „Es wird ein ganz b köesonderer Abend mit selten gehörter Musik“, sagt die Sängerin und hofft, dass viele Zuhörer kommen. Auch Schloss Sacrownnte ein bisschen mehr Leben in seinen alten Gemäuern gut vertragen.Das erste Konzert findet am 21. Mai um 17 Uhr statt.

Weitere Konzerte am 18. 6. und 27. 8., jeweils um 18 Uhr. Karten kosten 10 Euro. Vorbestellung unter Tel. 0331/504445. Infos unter: www.ars-sacrow.de

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