Ski-WM : Neureuther ärgert sich über seine eigene Dummheit

Platz vier statt Bronze: Felix Neureuther schrammt im Slalom knapp an einer Medaille vorbei. Entscheidend für den vierten Platz war ein schwacher erster Lauf.

Michael Becker,Christian Kunz[dpa]
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Der Moment der Wahrheit: Felix Neureuther muss sich mit dem vierten Platz begnügen -Foto: dpa

Val d'IsèreNach dem WM-Titel von Maria Riesch fiel Felix Neureuther der Gefährtin aus Kindertagen als Gratulant im Treppenhaus in die Arme, beim eigenen WM-Abschluss war die Laune des 24-Jährigen im Keller. Als Vierter schrammte der Partenkirchener beim Slalom-Sieg des Österreichers Manfred Pranger am Sonntag bei den Weltmeisterschaften im französischen Val d'Isère nur um 19/100 Sekunden an einer Medaille vorbei - das erste Edelmetall eines deutschen Alpin-Herren seit Florian Eckert 2001 hatte der Partenkirchener im ersten Durchgang vergeben. "Ich habe die Medaille nicht verdient, der erste Lauf war einfach zu fehlerhaft. Ich war heute nicht gut genug. Ich hätte mich auch nicht richtig über Bronze freuen können", sagte der fünfmalige Weltcup-Podestfahrer und ärgerte sich nach der verschenkten Medaillen-Chance über die eigene Dummheit.

Beim Ausscheidungsrennen in den Savoyen - 13 Fahrer schieden im zweiten Lauf aus, 33 kamen im ersten nicht ins Ziel - verpasste Neureuther nach zuletzt vier Nullnummern im Slalom-Weltcup knapp den Podestplatz. "Felix hatte es selber in der Hand. Im zweiten Durchgang hat er sich wenigstens ordentlich präsentiert und sein Leistungsvermögen gezeigt", sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der nach der doppelten Gold-Feier von Riesch und Kathrin Hölzl fast zum nächsten Umtrunk hätte einladen können. "Aber der Platz unterstreicht, dass man vielleicht die Möglichkeit hat, im nächsten Jahr bei Olympia auch bei den Herren im Slalom um die Medaillen mitzufahren."

Vorfreude auf die Heim-WM

Neureuther selbst denkt ohnehin schon ständig an die Heim-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen. Maiers Worte waren für Neureuther und seinen Trainer Mario Weinhandl ein schwacher Trost. "Bei dem verrückten Rennen weint man dem ersten Durchgang schon nach. Das ist eine WM und wir haben leider die lederne Medaille", sagte Weinhandl und hätte an ein solches Platzierungs-Comeback wie auch Neureuther selbst nicht mehr geglaubt. Nur ein "Jahrhundertlauf", so der Skirennfahrer nach der ersten Zieleinfahrt, hätte ihm noch Edelmetall bescheren können. Der blieb zwar aus, aber dennoch kam der Riesenslalom-19. dank zweitbester Laufzeit im zweiten Durchgang ähnlich nah an das Edelmetall wie schon in Are 2007. Damals war er als Zweiter des ersten Laufs nach Zwischenbestzeit ausgeschieden.

Riesengroß war die Freude bei Pranger, der durch seine Goldmedaille die Alpin-Großmacht Österreich noch an Deutschland in der Nationenwertung vorbeiführte. "Ich hab immer davon geträumt. Hab mir immer gedacht: Wenn ich nur mal Weltmeister werden könnte", sagte der 31-Jährige, der vor dem Lokalmatadoren Julien Lizeroux und dem Kanadier Michael Janyk gewann.

Für Lizeroux war es nach Silber in der Kombination die zweite Medaille vor tausenden Anhängern. "Slalom ist der verrückteste Sport, den es gibt", sagte der Franzose, dessen Bruder vor einem Jahr bei einem Sportunfall starb. "Ich wollte ihm die Medaille in der Kombination widmen. Diesmal habe ich auch an ihn gedacht, aber auch für die Zuschauer gewonnen." Rabenschwarz endete die WM für Bode Miller. Der Amerikaner scheiterte im ersten Durchgang und ging wie in Are komplett leer aus.