Der Tagesspiegel : Skurrile Rettungspläne für den Eurospeedway Lausitz

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Von Sandra Dassler

Klettwitz. „Baut Bordelle an die Rennstrecke!“, lautet der neueste Rettungsvorschlag für den Lausitzring. Die skurrile Idee, den tief in die roten Zahlen gefahrenen Eurospeedway mit einem Hauch von Rotlichtmilieu aufzupäppeln, war durchaus ernst gemeint. Sie kommt von Professor Jürgen Tauchnitz von der Senftenberger Fachhochschule Lausitz. Der hatte bei einer Befragung männlicher Besucher der Rennstrecke immer wieder zu hören bekommen, dass Bordelle „vor Ort“ fehlen würden. Tauchnitz sieht auch Defizite bei „anderen Dienstleistungseinrichtungen“ wie Hotels und Gaststätten. Für ihn ist das ein Indiz dafür, dass sich die Region noch zu wenig mit der Rennstrecke identifiziert.

Beim Tourismusverband Niederlausitz rennt er damit offene Türen ein. Geschäftsführerin Kathrin Winkler sagt: „Es gibt sicher noch viel zu tun, um den Lausitzring besser zu vermarkten und dafür zu sorgen, dass sich Motorsportfans auch vor oder nach den Rennen hier aufhalten. Das möchten wir aber nicht mit Bordellen, sondern mit kulturellen Angeboten oder Erlebnisgastronomie erreichen.“ Gegenwärtig übernachten fünf Prozent der Besucher in der Umgebung, an Renn-Wochenenden sind Hotels und Pensionen ausgebucht. Für Kathrin Winkler steht deshalb außer Zweifel, dass die Rennstrecke für die Region sehr wichtig ist.

Das haben auch die Abgeordneten des Landkreises Oberspreewald-Lausitz erkannt. Sie beschlossen unlängst, ihren Anteil an der Besitzgesellschaft des Eurospeedways für einen Euro an den Hauptgesellschafter IBG, eine Tochter der Berliner Bankgesellschaft, abzugeben. Vorausgesetzt, dass Innenministerium stimmt zu und die fianzielle Lage ist so schlecht wie behauptet. Damit ist eines der beiden Haupthemmnisse für den Verkauf des Unternehmens an einen zahlungskräftigen Investor beseitigt. Im Gegensatz zum Landkreis denkt der dritte Gesellschafter, die Dekra, jedoch nach wie vor nicht daran, der IBG die Anteile zu überlassen. Dekra-Sprecher Volker Dede sagte gestern dem Tagesspiegel: „Wir werden nicht verkaufen. An unserer Position hat sich nichts geändert.“

Das lässt für das heutige Treffen zwischen IBG, Landkreis und Dekra, bei dem es neben der Bilanz 2001 auch um die Beendigung der finanziellen Misere gehen soll, wenig erwarten. Die IBG würde den Lausitzring zwar lieber heute als morgen loswerden, findet aber aufgrund der komplizierten Gesellschafterstruktur keinen Käufer. Bislang hatte die IBG die Verluste der Rennstrecke alleine tragen müssen, da Landkreis und Dekra laut Vertrag nur in Höhe ihrer Anteile von 500 000 beziehungsweise 250 000 Euro haften.

In Klettwitz und Umgebung wird man indes nicht müde, darauf hinzuweisen, dass sich die vom Land mit 123 Millionen Euro geförderte Rennstrecke nicht schon nach einer Saison tragen kann. Dazu sagte Eurospeedway-Sprecher Marc-Thorsten Lenze: „Projekte dieser Größe benötigen Jahre, wenn nicht gar – wie der Nürburgring – Jahrzehnte, um tragfähige Strukturen zu entwickeln. Wir haben viele Probleme gelöst. so die Staus bei der An- und Abfahrt. Besucher, die am kommenden Wochenende zum Motorsport-Highlight V8-Star anreisen, können sich davon überzeugen.“

Den Bordell-Vorschlag findet Lenze amüsant. Die Chefin eines einschlägigen Senftenberger Etablissements, ärgert sich hingegen darüber. „Der Wirtschaftsprofessor hat keine Ahnung. Wenn Rennen sind, kommen weniger Kunden als sonst – obwohl die Strecke nur zehn Kilometer von hier entfernt ist.“ Frau Winter, die ihren Vorn nicht nennen will, ist deshalb felsenfest überzeugt: „Bordelle direkt am Ring wären nach kurzer Zeit Pleite.“

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