Der Tagesspiegel : SMI soll weiter Geld vom Land bekommen

THORSTEN METZNER

Dreher will Frankfurter Chipfabrik nun doch rettenVON THORSTEN METZNER POTSDAM - Die Landesregierung will einen letzten Versuch starten, um das konkursreife High-Tech-Unternehmen Microlelectronik Innovation GmbH (SMI) aus Frankfurt an der Oder doch noch zu sanieren."Wir wollen SMI wettbewerbsfähig machen", sagte Wirtschaftsminister Burkhard Dreher am Montag in Potsdam.Dabei müsse Brandenburg notfalls weitere Hilfen für das angeschlagene Unternehmen zahlen.-Der Landtag hatte eigentlich beschlossen, Ende März die Zahlungen an das frühere Halbleiterwerk einzustellen.Nach einem Krisengespräch von SMI-Betriebsrat, Geschäftsführung und IG Metall mit Ministerpräsident Manfred Stolpe, der SMI während seiner China-Reise zur Chefsache erklärt hatte, kündigte Dreher an, daß bis März ein Sanierungskonzept erarbeitet werden soll."Die Regierung strebt eine aktive Sanierung an - aber auch eine Gesamtvollstreckung kann zwingend werden", sagte er. Es müsse Personal abgebaut werden, das jedoch in einer Qualifizierungsgesellschaft aufgefangen werden könne.Gleichzeitig solle ein professioneller Interimsmanager in Vertrag genommen werden.Dreher erklärte außerdem, daß bei dem Sanierungsversuch notfalls weiterhin Liquiditätsbeihilfen an SMI gezahlt werden müsse.Dagegen reagierte SPD-Fraktionschef Wolfgang Birthler skeptisch auf diese Ankündigungen."Bis 31.März - dabei bleibt es", sagte er.Nur wenn ein wirklich tragfähiges Sanierungskonzept vorliege, könne über eine Verlängerung geredet werden. SMI-Geschäftsführer Hans Möhr hatte in China erklärt, daß ohne weitere Landesgelder SMI "im März die Luft ausgehen" würde."Ohne öffentliche Förderung ist keine Sanierung möglich", sagte auch Günter Kühlbacher, IG-Metall-Bevollmächtigte für Frankfurt an der Oder.Einer Stillegung werde man sich massiv widersetzen.Gewerkschaft und Betriebsrat begrüßten den Rettungsversuch der Landesregierung für das vom Aus bedrohte Halbleiterwerk. Das Frankfurter Unternehmen mit heute 370 Mitarbeitern, dessen Übernahme durch die chinesische Tongwei-Gruppe platzte, schreibt tiefrote Zahlen.Bei seinem heutigen Personalbestand müßte SMI laut Dreher einen Jahresumsatz von 70 Millionen Mark erwirtschaften - 18 Millionen Mark waren es 1996.Trotzdem sprach Achim Hage, der stellvertretende SMI-Geschäftsführer, von einem "intakten Betrieb", der zuverlässig die Kundenwünsche erfülle und wettbewerbsfähig sei.Das Land Brandenburg hat seit Jahren als 51prozentiger Mehrheitsgesellschafter (49 Prozent hält das US-Unternehmen Synergy Semiconductor aus Santa Clara) monatlich rund 2,5 Millionen Mark - bislang rund 60 Millionen Mark - in das marode Unternehmen gesteckt.Deshalb hatte der Landtag beschlossen, daß die Subventionen ab 31.März 1997 gestoppt werden.

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