São Paulo : Hamilton wird jüngster Formel-1-Weltmeister

Er machte es spannend bis zur letzten Kurve. In einem regnerischen Herzschlag-Finale reicht Lewis Hamilton der fünfte Platz beim Großen Preis von Brasilien, um Weltmeister zu werden.

Hamilton
So sieht ein Sieger aus: Lewis Hamilton. -Foto: dpa

São PauloDem McLaren-Mercedes-Piloten reichte beim Sieg seines roten Rivalen Felipe Massa der fünfte Rang beim turbulenten Großen Preis von Brasilien, um am Sonntag mit 23 Jahren, 9 Monaten und 26 Tagen mit einer Punktlandung seinen Traum schon in der zweiten Saison wahr zu machen.

Hamilton sicherte dank seines Manövers gegen den deutschen Timo Glock dem britisch-schwäbischen Rennstall den ersten WM-Gewinn seit 1999. Er trug sich als erster dunkelhäutiger Pilot überhaupt und erster britischer Champion seit Damon Hill 1996 in die Weltmeister-Liste ein. Für "Paulista" Massa im Ferrari war der Sieg beim Saisonfinale vor 100.000 am Ende niedergeschlagenen Zuschauern in seiner Heimatstadt letztlich ohne Wert, er konnte sieben Punkte Rückstand im Gegensatz zu seinem Teamkollege Kimi Räikkönen in der Saison 2007 nicht mehr aufholen.

Beim Überqueren der Ziellinie hatte Massa allerdings noch wie der Sieger ausgesehen, nachdem Hamilton hinter Glock und Sebastian Vettel auf Rang sechs zurückgefallen war. Massas Team holte zumindest die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft vor McLaren-Mercedes.

Die Strecke wurde zur Wasserbahn

Erste große Hektik schon vor dem Rennbeginn: Ein plötzlicher Wolkenbruch ging auf die Strecke nieder und verwandelte den Kurs in eine Wasserbahn. Der Start wurde um zehn Minuten verschoben, doch der 4,309 Kilometer lange Kurs war teilweise noch nass, als die Ampeln erloschen. Hamilton und auch Massas Ingenieure hatten in der Zwischenzeit die Reifen gewechselt, beide nahmen das Rennen um die "WM-Krone" auf sogenannten Intermediates (Mischreifen) in Angriff. Und mit der gebotenen Vorsicht in der prekären ersten Kurve: Massa verteidigte ohne Probleme die Führung, dahinter holte Heikki Kovalainen gegen seinen verhalten gestarteten Teamkollegen Hamilton auf, ließ ihm aber den Vorzug im Senna-S.

Das nutzte neben Hamiltons Ex-Kollege Fernando Alonso auch Vettel, während am Ende des Feldes Routinier David Coulthard in seinem letzten Grand Prix nach wenigen Metern wegen eines Unfalls ausschied - und das Safety Car für zwei Runden auf den Plan rief. Kaum war das Rennen wieder freigegeben, kamen die ersten Piloten an die Box, um auf dem abtrocknenden Kurs in Interlagos auch auf Trockenreifen zu wechseln, Massa im zehnten Umlauf, einen später folgte Hamilton. Und der Brite reihte sich nach dem ersten Boxen-Reigen in der 12. Runde als Sechster ein. Zu wenig für den WM-Titel, da Massa trotz Problemen auf dem an manchen Stellen noch feuchten Kurs die Spitze verteidigte und im Klassement wegen der größeren Sieganzahl bei Punktgleichheit die Nase vorn gehabt hätte.

Massas Vorsprung wuchs stetig - doch das half nichts

Doch es dauerte nur sechs Runden, bis Hamilton wieder auf WM-Kurs lag. Im Senna-S attackierte der Silberpfeil-Pilot den vor ihm platzierten Giancarlo Fisichella im Force India - mit Erfolg. Entsprechend fiel der Jubel in der McLaren-Mercedes-Box aus, in der neben Hamiltons Familie auch Freundin Nicole Scherzinger von den Pussycat-Dolls im roten Sommerkleidchen dem größten Triumph Hamiltons herbeisehnten. Während Monza-Sieger Vettel bis zu seinem zweiten Boxenstopp Ende des 28. Umlaufs dem führenden Massa im Nacken saß, fand sich Hamilton hinter Räikkönen wieder. Der Vorsprung des Ferrari-Piloten aus Sao Paulo wuchs zwar stetig, doch spielte das solange keine Rolle, wie der Engländer mindestens Rang fünf und nach Vettels Pit-Stop Platz vier verteidigen konnte.

Nach der nächsten Boxen-Stopp-Phase fand sich Hamilton dann erneut auf Rang fünf wieder. Die Reihenfolge: Massa, Vettel, Alonso, Räikkönen und Hamilton. Und dann das: Kurz vor Schluss zogen wieder dunkle Wolken aus, Erinnerungen an das Chaosrennen von 2003 wurden wach. Ein erneuter Wolkenbruch blieb zwar aus, doch es wurde noch einmal spannend, nachdem Hamilton hinter Glock auf Platz sechs lag. Nach 71 Runden und der Gesamtdistanz von 305,909 Kilometern reichte es aber zu Hamiltons Zitter-Triumph. (sba/dpa)