Söldnerfirma : US-Kongress schockiert über Blackwater-Einsatz im Irak

Ein Bericht des US-Kongresses legt schockierende Details offen. Mitglieder des privaten Söldnerdienstes Blackwater sollen im Irak "ihre Finger sehr schnell am Abzug" haben. Deckt das US-Außenministerium das Fehlverhalten der Mitarbeiter?

Blackwater
Im Zwielicht. Blackwater-Mitarbeiter über Bagdad. -Foto: AFP

WashingtonDer Skandal um den Einsatz der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater im Irak zieht immer weitere Kreise. Ein am Montagabend in Washington vorgelegter Untersuchungsbericht des US-Kongresses wirft den Blackwater-Mitarbeitern aggressives und gewalttätiges Verhalten gegenüber Einheimischen sowie die Vertuschung von Straftaten vor. Die privaten Sicherheitskräfte, die im Auftrag der US-Regierung tätig sind, hätten weitgehend unkontrolliert agieren können. Seit 2005 seien sie im Irak in annähernd 200 Schießereien verwickelt gewesen. In 80 Prozent der Fälle sei der erste Schuss von einem Blackwater-Mitarbeiter abgefeuert worden.

Gewalttätigkeiten der privaten Sicherheitskräfte seien "häufig und weitreichend, so dass die Opferzahlen und der Sachschaden beträchtlich waren", heißt es in dem Bericht, der vom Kontrollausschuss des US-Repräsentantenhauses erstellt wurde. In dem Dokument werden US-Armeevertreter zitiert, denen zufolge die Mitarbeiter von Blackwater im Irak "wie die Cowboys" aufgetreten seien. Sie hätten "ihre Finger sehr schnell am Abzug", hieß es weiter. Die Vorlage des Berichts ging der Anhörung von Blackwater-Chef Erik Prince voraus, die am Nachmittag vor einem Kongressausschuss beginnen sollte.

Blackwater-Mitarbeiter von US-Außenministerium gedeckt?

In einem Fall habe ein betrunkener Blackwater-Wächter am Heiligabend 2006 in Bagdad einen Bodyguard von Iraks Vizepräsidenten Adil Abd al Mahdi erschossen, so der Bericht. Der Mann sei mit Hilfe des US-Außenministeriums aus dem Irak gebracht worden, obwohl die irakischen Behörden ihm Mord zur Last gelegt hätten. Die Autoren wiesen darauf hin, dass die vom US-Außenministerium vorgegebenen Einsatzregeln für Blackwater eigentlich nur defensive Einsätze vorsähen. Daran habe sich Blackwater in der Praxis aber nicht gehalten. Dem Außenministerium in Washington wirft der Bericht schwere Versäumnisse vor: Bei dem Einsatz habe es an Aufsicht gefehlt. "Selbst in Fällen, bei denen es um den Tod von Irakern ging, war die erste Reaktion des State Department offensichtlich immer, Blackwater zu Bußzahlungen (an die Opfer) aufzufordern, um die Sache hinter sich zu bringen, anstatt auf deren Verantwortung zu bestehen und wegen möglicher Strafbarkeit gegen Blackwater-Mitarbeiter zu ermitteln", heißt es in dem Kongressdokument.

Der Kongressausschuss wertete Firmenunterlagen aus, denen zufolge Blackwater-Mitarbeiter seit 2005 mindestens 16 Iraker getötet hätten. Die wirkliche Zahl liege aber vermutlich höher, hieß es in dem Bericht. Die privaten Sicherheitskräfte schössen gewöhnlich aus fahrenden Autos heraus und hielten nicht an, um ihre Opfer zu zählen. Dem Bericht zufolge erhielt Blackwater seit 2001 für seine Dienste mehr als eine Milliarde Dollar von der US-Regierung. Pro Einsatzkraft und Tag habe Blackwater 1222 Dollar in Rechnung gestellt - fast 450.000 Dollar pro Jahr. Ein Einsatz von US-Soldaten sei für ein Neuntel bis zu einem Sechstel dieser Kosten zu haben, heißt es in dem Bericht. (mit AFP)