Solarenergie : Der Sonne entgegen

Brandenburgs riesige alte Militärflächen erweisen sich zunehmend als Standortvorteil – für die Solarbranche: Auf einstigen Schieß- und Landeflächen sollen im Land bis Ende nächsten Jahres die beiden weltweit größten Photovoltaikkraftwerke entstehen.

Peter Tiede

Potsdam - Der Landkreis Spree-Neiße genehmigte in dieser Woche den Bau einer 50-Megawatt-Anlage auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Lieberoser Heide im Süden des Landes. 160 Millionen Euro sollen dort investiert werden. Und gestern wurde bekannt, dass auf dem einstigen Militärflugplatz Brandenburg-Briest im Westen eine noch größere Anlage entstehen soll: Auf dem derzeit noch für Geschäftsflieger genutzten Flugfeld soll eine Leistung von mehr als 80 Megawatt installiert und Strom für mehr als 15 000 Haushalte erzeugt werden. Beide Anlagen sollen Ende nächsten Jahres ans Netz gehen. Das bislang größte Solarkraftwerk mit zwölf Megawatt Leistung steht bei Würzburg. Bei Leipzig entsteht derzeit eine 40-Megawatt-Anlage.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die den Flugplatz Brandenburg- Briest für den Bund verwaltete, bestätigte gestern in Potsdam, dass sie das 400 Hektar große Areal an die Münchener Firma Solar-Tech AG verkauft habe. Der Kollektorenproduzent und Sonnenkraftwerksbauer wollte sich gestern nicht näher zu seinen Plänen äußern. Fest steht jedoch, dass in Briest keine Solarkollektoren aus einem der brandenburgischen Solarmodulwerke etwa in Frankfurt (Oder) zum Einsatz kommen. Solar-Tech kündigte an, seine selbst entwickelten und in China produzierten Kollektoren mit der sogenannten Konzentratortechnologie verwenden zu wollen. Die Aktiengesellschaft äußerte sich auch nicht dazu, ob sie selbst investieren oder etwa über einen Fonds Kapital für den Bau des Kraftwerkes auflegen werde, wie in anderen Fällen geschehen.

Die Wirtschaftsförderer der brandenburgischen Landesregierung freuten sich gestern über den neuen Investor: „Das fügt sich hervorragend ein in unsere Strategie, Brandenburg als Standort für erneuerbare Energien auszubauen“, sagte Alexander Gallrein, Sprecher der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB).

Doch noch warnen Experten vor zu viel Euphorie: Zum einen entstünden so gut wie keine Arbeitsplätze, zum anderen könnten die Solarkraftwerke nicht einmal einen der drei 500-Megawatt-Blöcke des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde ersetzen. Allerdings verhandeln Kommunen, Land und ZAB derzeit mit einigen weiteren Investoren, die ähnlich große Solarkraftwerke auf Brachflächen in Brandenburg bauen wollen. Auch mehrere kleinere Anlagen sind bereits in Planung, etwa eine Zehn-Megawatt-Anlage nördlich von Luckenwalde. Während im Süden besonders die alten Tagebauflächen infrage kommen, werden im Osten und Nordosten ehemalige Militärflächen erkundet – besonders rings um Frankfurt, wo bereits drei Konzerne Solarmodule produzieren. Auch das Landesumweltministerium setzt nach eigenen Angaben bei der Altlastensanierung ehemaliger Truppenübungsplätze besonders auf die Solarbranche: Wie mit den Investoren in der Lieberoser Heide vereinbart, könnten auch anderswo die Kraftwerksbauer alte Munition und Bodenverunreinigungen auf den Militärbrachen beseitigen.

Grundsätzlich positiv sieht Professor Klaus Vajen, Leiter des Fachbereichs Solar- und Anlagentechnik der Uni Kassel die Strategie, Solarparks auf Militärbrachen unterzubringen. „Wenn man mit den Flächen sonst nichts anzufangen weiß, dann macht das Sinn.“ Der Bau von Solarkraftwerken sei auch unter energetischen Gesichtspunkten in brandenburgischen Breiten sinnvoll. „In Südspanien liegt die Sonneneinstrahlung nur um die Hälfte höher“, der Betrieb der Anlagen rechne sich auch hier. Zudem erzeuge ein Solarkraftwerk über die gesamte Laufzeit ein Vielfaches der Energie, die zu seinem Bau benötigt wurde. Schon nach vier Jahren sei die Energiebilanz positiv.

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