Solarenergie : Geschäft mit der Sonne

Auf einem der Berliner Stadtgüter entsteht eine 40 Hektar große Photovoltaikanlage - der größte Solarpark der Region. Das Gelände des einstigen Luftschiffhafens in Staaken lag jahrzehntelang brach.

Claus-Dieter Steyer

Dallgow-Döberitz/Wansdorf - Vom einstigen Luftschiffhafen in Staaken soll bald Strom für rund 5000 Haushalte kommen. Auf dem jahrzehntelang brach liegenden Gelände an der westlichen Berliner Stadtgrenze entsteht der größte Solarpark der Region. „Ab Ende September wollen wir die ersten Module zur Nutzung der Sonnenenergie aufbauen“, kündigte Achim Gebel, Deutschland-Chef des Solarzellenherstellers Q-Cells, gestern bei einer Tour der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen des Berliner Abgeordnetenhauses an. „Ab Frühjahr 2010 speisen wir jährlich rund 12 450 Kilowattstunden Strom in das öffentliche Netz ein.“ Zehn Hektar der insgesamt 40 Hektar großen Fläche befinden sich auf Berliner Territorium, der Rest gehört zu Dallgow-Döberitz. Es gibt aber nur einen Eigentümer: die Berliner Stadtgüter.

„Wir haben das in den zwanziger Jahren zum Flugplatz ausgebaute Areal 1993 von der Treuhand übernommen, weil niemand etwas mit dem versiegelten und teilweise von Restmunition belasteten Gelände etwas anfangen wollte“, sagte der Geschäftsführer der Berliner Stadtgüter, Peter Hecktor. „Landwirtschaft ist hier nicht möglich.“ Von den anderen deutschen Photovoltaikanlagen wird sich das Staakener Projekt in einem besonderen Detail unterscheiden: „Wir bauen für die hier ansässigen Zauneidechsen kleine Solarbänke zwischen den Modulen, damit sie sich auch künftig hier wohlfühlen“, sagte Projektleiter Gebel.

Mit dem Projekt wollen sich die Stadtgüter, die rund um Berlin rund 17 000 Hektar landwirtschaftliche Flächen, Waldgebiete und ehemalige Rieselfelder besitzen, als Vorreiter bei erneuerbaren Energien beweisen. Gutachter kamen kürzlich zu dem Ergebnis, dass mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen auf den berlineigenen Flächen Strom für insgesamt 775 000 Menschen produziert werden könnte. „Unsere Vorfahren haben uns einen großen Schatz hinterlassen, mit dem wir jetzt gut umgehen sollten“, sagte Hecktor.

Bis Anfang der zwanziger hatte sich Berlin im Umland insgesamt 25 000 Hektar gesichert. Heute sind alle Agrarbetriebe verkauft, nur für die belasteten Rieselfelder fand sich lange Zeit keine zündende Idee. Jetzt sollen sie Platz für Windräder und Sonnenkollektoren sowie für schnell wachsende Pappeln und Weiden bieten. „Diese Bäume können nach vier bis fünf Jahren gefällt und in Kraftwerken verheizt werden“, sagte der Chef des Pilotprojektes auf den ehemaligen Rieselfeldern bei Wansdorf, Christian Sobioch. Vattenfall suche für sein neues Kraftwerk in Klingenberg dringend nach Holz. Claus-Dieter Steyer

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