Der Tagesspiegel : Solarstrom: Mit ein bisschen Schummelei zum Sieg

Claus-Dieter Steyer

Der erste deutsche Meister in der "Solarbundesliga" hat leicht geschummelt. Das kleine Uckermark-Dorf Geesow an der Grenze zu Polen hat den Wettbewerb der Deutschen Umwelthilfe und der Zeitschrift "Solarthemen" zwar gewonnen, aber im Ort selbst findet der Besucher keine Sonnenkollektoren oder -module auf den Dächern. Der Gewinn-Grund steht etwas außerhalb des Dorfes. Auf einer ehemaligen Bauschuttdeponie arbeitet eine Solaranlage mit knapp 300 Kilowatt Leistung, die damit die größte in Ostdeutschland ist.

Im Westen besitzen München und Herne die größten Flächen zur Gewinnung von Sonnenenergie. Da für die Rangfolge in der Meisterschaft aber die in den Orten installierte Modulleistung durch die jeweiligen Einwohnerzahlen dividiert wurde, schnitt Geesow mit gerade 212 Menschen als Sieger ab. Die frühere Deponie zählt eben zum Gemeindegebiet. Auf Platz drei folgt mit dem Nachbarort Radekow noch ein Brandenburger Dorf.

Gerd Hampel, einer der drei Betreiber der Geesower Anlage, will von "Schummelei" nichts wissen. "Wir haben hier draußen den Anfang gemacht, aber inzwischen überlegen sich viele Einwohner die Anschaffung von Solarzellen auf dem Dach oder im Garten." Er berichtet von Nachfragen und Plänen, völlig auf regenerative Energiequellen umzusteigen. Denkbar seien beispielsweise die aus dem Raum Freiburg bekannten so genannten Bürgeranlagen, die von mehreren Einwohnern gemeinsam finanziert werden.

Gerade in diesem nordöstlichen Zipfel der Uckermark rund um Geesow würde sich so eine Anschaffung lohnen, sagt Hampel. "Wir sind wegen des ausgeprägten Kontinentalklimas die mit Abstand sonnenreichste Gegend Brandenburgs, noch vor der Lausitz mit ihren großen Tagebauflächen." Berlin liegt im Mittelfeld, während um Wittenberge und östlich von Wittstock die wenigsten Sonnenstunden gemessen werden.

Erst O,5 Prozent des Brandenburger Strombedarfs werden durch Photovoltaikanlagen gedeckt. "Wir können mit unserer 2800 Quadratmeter großen Modulfläche den gesamten Ort mit Energie versorgen", rechnet Hampel. 99 Pfennig erhält er für die Einspeisung von einer Kilowattstunde ins örtliche Energienetz. "Mindestens 14 Jahre verdienen wir mit unserer Anlage allerdings kein Geld. Erst dann wirft der 2,8 Millionen Mark teure Bau Gewinne ab."

Doch der Chef der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg nennt sich selbst einen "Öko-Freak mit vielen Ideen ". Er will in seiner 1997 gekauften und zu Ferienwohnungen ausgebauten Salveymühle Nr. 3, auf deren Dach Sonnenkollektoren das Wasser erwärmen, die Kraft des Baches wieder nutzen. Und Hampel hat noch eine "faszinierende Idee": Die Bauern sollten Raps anbauen, der in bislang leer stehenden Mühlen und Speichern zu Biodiesel verpresst werden könnte.

Zwischen den Tafeln mit den glitzernden Modulen grasen Schafe. "Wären sie nicht hier, müsste ich mich überhaupt nicht um die Anlage kümmern", sagt der Eigentümer. Ein Fax melde ihm täglich den ordnungsgemäßen Betrieb und den Verdienst, der an guten Tagen bis zu 1800 Mark betrage.

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