Somalia : Regierungskritische Journalisten unter Beschuss

Truppen der somalischen Übergangsregierung haben heute auf das Gebäude des privaten Rundfunksenders Shabelle gefeuert. Der Sender hatte zuvor kritisch über die Regierung als auch über islamistischen Milizen berichtet.

Nairobi/Mogadischu Die Angriffe hätten am Vormittag begonnen, sagte Jaffar Kukay, der Direktor des Senders. Die Journalisten hätten sich im Inneren des Gebäudes verschanzt, um Schutz vor dem Kugelhagel zu finden. "Wir wissen nicht, was los ist. Wir haben uns eingeschlossen. Die Polizei bricht die Türen auf", sagte er über Mobiltelefon. Die Senderausstattung sei durch Einschüsse zerstört worden, verletzt worden sei aber zunächst niemand.

Soldaten hatten bereits vor einigen Tagen 18 Journalisten des Senders vorläufig festgenommen. Dieser hat bisher kritisch sowohl über die Regierung als auch über regierungsfeindliche islamistische Milizen berichtet. "Die Soldaten greifen uns an, weil wir über Tatsachen berichten", sagte Kukay. "Wir berichten nur über das, was passiert und ergreifen keine Partei für eine der Gruppen."

Internationale Journalistenorganisationen hatten sich in den vergangenen Monaten wiederholt besorgt über Repressalien gegen Journalisten in Somalia und Festnahmen von Medienvertretern geäußert. Im August waren der Besitzer eines anderen unabhängigen Senders und ein Radiomoderator von unbekannten Tätern getötet worden.

Minister warnt vor drohender "humanitärer Katastrophe"

Unterdessen hat die somalische Regierung vor einer "humanitären Katastrophe" gewarnt, wenn die internationale Gemeinschaft nicht schnell auf den Nahrungsmittelmangel in dem nordostafrikanischen Land reagiert. "Viele Menschen im ganzen Land haben ihr Zuhause verlassen und leiden", sagte Innenminister Mohamed Mohamud Guled in Mogadischu. Es gebe in Somalia nicht genügend Lebensmittel, und die Inflation sei extrem hoch.

Humanitäre Organisationen hatten in den vergangenen Wochen davor gewarnt, dass die erwarteten Missernten im südlichen Somalia zu einer Krise führen könnten. Nach Berichten des Kinderhilfswerks Unicef droht tausenden Kindern in den zentralen und südlichen Regionen des Landes, die einst als die fruchtbarsten des Landes gelten, der Hungertod. Die Zahl der hilfebedürftigen Somalier sei seit Januar von einer Million auf 1,5 Millionen angestiegen. Das Land hat etwa zehn Millionen Einwohner.

Das Land wird seit dem Sturz des Diktators Mohamed Siad Barre vor 16 Jahren von Kämpfen rivalisierender Gruppen beherrscht. 2006 hatten radikalislamische Milizen in weiten Teilen des Landes vorübergehend die Macht übernommen, bevor somalische Regierungstruppen sie mit Unterstützung der Armee des Nachbarlandes Äthiopien zu Jahresbeginn wieder vertrieben. Seit einigen Monaten häufen sich die tödlichen Anschläge und Überfälle in der Hauptstadt Mogadischu auf Einrichtungen der Übergangsregierung sowie auf äthiopische Soldaten und Truppen der Afrikanischen Union (AU), die seit März im Land stationiert sind. (mit dpa, AFP)