Sommerregen : Alle Wetter

Es ist Ferienzeit und das Wetter spielt November. Tagelang hat es in der Region geregnet – doch das ist nur die eine Seite der Geschichte.

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Die vergangenen Tage waren tropfnass in Stadt und Land. Es soll aber besser werden.
Die vergangenen Tage waren tropfnass in Stadt und Land. Es soll aber besser werden.Foto: dpa

Berlin - Kirschen sind die Primadonnen unter den Obstsorten: Um rot und knackig zu werden, brauchen sie einen Regenschauer und dann zum Abtrocknen eine Portion Wind. Ihre empfindliche Haut verträgt Wasser nur in kleinen Mengen, sie saugt es ein und reißt dann schnell. Genau das passiert derzeit in Stephan Hübners Betrieb: „Die Kirschen platzen und die Erdbeeren verfaulen auf meinen Feldern“, klagt er.

Für den Obstbauern in Werder an der Havel ist der Sommer schon ins Wasser gefallen. Gestern habe es 20 Liter auf seine Beete geregnet, von Sonnabend zu Sonntag waren es sogar 50. Mit Stroh könne man die Erdbeeren zwar ein wenig schützen, bei den derzeitigen Sturzbächen helfe das aber auch nicht mehr. „So etwas hält das Obst einfach nicht aus.“ Genauso wenig wie zwölf Wochen Trockenheit im Frühjahr, die den Pflanzen im sandigen Böden besonders zusetzte, und der Nachtfrost im Mai, der Blüten erfrieren ließ. „Ich mache das hier seit 20 Jahren, aber so ein Wetter habe ich noch nie erlebt“, sagt Hübner.

Bei Reinhard Jung steht das Wasser zwar auch auf den Wiesen in Lennewitz im Landkreis Prignitz. Er sieht die Situation aber gelassener: Hier fiel mit 50 Litern an drei Tagen deutlich weniger Regen als in Werder. „Im Sommer ist es normal, dass sich die Niederschlagsmengen sehr unterschiedlich verteilen“, sagt Norbert Becker-Flügel vom Wetterdienst Meteogroup. „Gerade Gewitterzellen können viel Niederschlag auf einen Ort konzentrieren.“ Beispiel Oderbruch: Zwar habe es dort jetzt die ersten kräftigen Niederschläge seit dem Winter gegeben, aber die Trockenheit sei damit noch nicht beendet.

Es ist Ferienzeit und das Wetter spielt November. Resignierte Gelassenheit herrscht bei den Berliner Bäderbetrieben. Immerhin haben es am vergangenen Sonntag noch 298 Besucher ins Kreuzberger Prinzenbad geschafft. „Es gibt unerschütterliche Kunden, die bei jedem Wetter kommen“, sagt Bäderbetriebe-Sprecher Matthias Oloew. Am Mittwoch waren es bei strahlendem Sonnenschein über 6000 gewesen. Kosten fallen aber auch dann an, wenn keiner kommt. Die Becken müssen ständig auf 24 bis 26 Grad geheizt werden. „Bei diesem Wetter ist das wie ein Kochtopf ohne Deckel“, sagt Oloew, „wir heizen ständig ins Freie.“ Bei den Berliner Bäderbetrieben glaubt man einen Trend auszumachen: Stabile Schönwetterperioden habe es in den letzten Jahren immer seltener gegeben. Dagegen hätten die extremen Wetterlagen deutlich zugenommen. „Am Mittwoch waren es noch 33 Grad, am Freitag plötzlich 13. Wir können nicht mehr aufs Wetter wetten.“

Den Badeseen in Berlin und Brandenburg tut das Wetter gut. „Schlecht für die Wasserqualität ist es nur, wenn die Böden sehr ausgetrocknet sind, und das Regenwasser nicht aufnehmen können“, sagt Bert Kormann vom Landesamt für Gesundheit. Dann schwemmt es vieles in die Seen, was eigentlich durch die Erde herausgefiltert wird. Verunreinigungen im Wasser können die Folge sein, wie zuletzt in der Unterhavel auf Höhe der Lieper Bucht. Sie ist seit Ende Juni als „nicht zum Baden zu empfehlen“ eingestuft. Derzeit könnten die Böden die Regenmenge aufnehmen. „Frisches Wasser von oben verbessert die Wasserqualität sogar“, sagt Kormann. Denn Algen gedeihen bei starker Sonneneinstrahlung.

Ein Hoffnungsschimmer deutet sich für Bauern und Sommerurlauber in den nächsten Tagen an: „Die Temperaturen steigen auf über 25 Grad und werden erst einmal auf diesem Niveau bleiben“, sagt Meteorologe Becker-Flügel. Und auch mit dem grauverhangenen Himmel sollte es vorerst vorbei sein. Nach der Siebenschläferregel zeigt das Wetter zwischen Ende Juni und Anfang Juli an, wie es mit dem Sommer weitergeht. Demnach sähe es für den Sommer eher durchwachsen aus. „Aber das trifft nur in zwei von drei Jahren zu“, sagt der Meteorologe.

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