Der Tagesspiegel : Sorge um die Mauerblümchen

Helmut Caspar

Sein Herz hängt weiter an den historischen Mauern: Am Montag wird Hans-Joachim Giersberg, der Generaldirektor der Preußischen Schlösserstiftung, nach 37-jähriger Amtszeit offiziell verabschiedet. Bei den Feierlichkeiten im Schlosstheater des Neuen Palais in Potsdam erwarten den Herrn der Schlösser viele Würdigungen - von Landes- wie Bundespolitikern. Über seine Nachfolger ist bisher nichts bekannt. Nur so viel: Er oder sie hat noch viel zu tun. Trotz emsiger Sponsorenaquise und Bemühungen um Renovierungen und Sanierungen lässt Giersberg bei seinem Abschied einige Sorgenkinder zurück. Darunter befinden sich weniger bekannte Kleinodien wie das Schloss Partez oder auch berühmtere wie das Schloss Niederschönhausen in Berlin.

Schloss Babelsberg. Noch viele Jahre sind Park und Schloss Babelsberg Sorgenkinder der Schlösserstiftung. Die Stiftung hatte das zwischen 1834 und 1849 errichtete Bauwerk nach dem Auszug des Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte nach Wünsdorf untersuchen lassen und erhebliche Schäden festgestellt, die nach und nach behoben werden. Geplant ist die schrittweise Rückführung der Räume auf den originalen Zustand und die Nutzung der Sommerresidenz als Museumsschloss. Die Sanierungs- und Restaurierungskosten sind erheblich, nicht alles ist auf einmal zu schaffen. Vordringlich sind die Sicherung der Bausubstanz durch Schwammsanierung, Dachdeckung und Maurerarbeiten. Für die nächste Zeit ist geplant, den Landschaftsgarten mit seinen vielen Denkmälern und Parkbauten in der historischen Form zu rekonstruieren.

Schloss Paretz. Das Gebäude ist - noch - eine halbe Sache: Erst im kommenden Jahr werden alle Räume der eher bescheidenen Sommerresidenz König Friedrich Wilhelms III. und seiner Gemahlin Luise zurückgewonnen sein. Das 1797/98 von David Gilly errichtete Herrenhaus hatte den Krieg überstanden, wurde aber in der DDR bis zur Unkenntlichkeit verschandelt. Nachdem die Berliner Cornelsen Kulturstiftung die Restaurierung der berühmten Tapeten finanziert hatte, geriet das Land Brandenburg in Zugzwang und übernahm die Wiederherstellung der Wohn- und Festräume, die als Schlossmuseum genutzt werden sollen. Da originale Möbel und Bilder fehlen, wird Ersatz aus den Depots und durch Ankäufe beschafft. Geplant ist die Wiedergeburt des malerischen Schlossgartens und die Restaurierung verschiedener dörflicher Gebäude, die mit dem Schloss eine Einheit bilden.

Schloss Niederschönhausen. Für das zum großen Teil noch original erhaltene Rokoko-Schloss Schönhausen im Berliner Bezirk Pankow sind die Würfel noch nicht gefallen. Der scheidende Generaldirektor kann das Desinteresse des Landes Berlin an der Immobilie nicht verstehen, die zu den "Stars in der Berlin-Brandenburgischen Schlösserlandschaft" gehört. Sein Nachfolger sollte nichts unversucht lassen, die Sommerresidenz von Königin Elisabeth Christine, der Gemahlin Friedrichs des Großen, in die Stiftung zu überführen, hofft Giersberg. Nur die Stiftung sei in der Lage, für eine angemessene Nutzung zu sorgen. Dem Berliner Senat müsse klar gemacht werden, dass bisher ein großes kultur- und kunstgeschichtliches Potenzial einfach brachliege. Allerdings braucht auch dieses Haus, in dem viele Staatsgäste der DDR übernachteten, eine Restaurierung.

Schloss Rheinsberg. Die Wohnräume des Prinzen Heinrich werden zur Zeit im Schloss Rheinsberg hergerichtet - was sie dringend nötig haben. Nach 1945 hat man sie arg verschandelt, als dort ein Sanatorium untergebracht war. Geplant ist für 2002 unter anderem eine Ausstellung über den musischen Prinzen, Feldherren und Diplomaten, der hier im August 1802 starb. Der von Kennern als Vorläufer von Schloss Sanssouci geschätzte Bau soll zum Heinrich-Jubiläum 2002 in seiner ganzen Schönheit erstrahlen. Das von Kronprinz Friedrich und seinem Bruder Heinrich gestaltete Gartenreich mit dem Schloss am See ist international bekannt und gut besucht, ein "Selbstläufer", wie Giersberg sagt. Unter seiner Ägide wurden wertvolle Räume restauriert und viele Gemälde und Kunstwerke, die überall verstreut waren, an den originalen Standort zurückgebracht.

Schloss Charlottenburg. Anders als die Potsdamer Schlösser und Gärten steht das Berliner Schloss Charlottenburg noch nicht auf der Liste des Weltkulturerbes. Für Hans-Joachim Giersberg wäre es wichtig, wenn es gelänge, die nach der ersten preußischen Königin Sophie Charlotte benannten Anlagen in das Weltkulturerbe aufzunehmen und damit den Schlössern von Sanssouci, im Potsdamer Neuen Garten, in Babelsberg und Glienicke gleichzusetzen. Die Adelung durch das Unesco-Prädikat bringe zwar keine unmittelbaren finanziellen Zuwendungen, sagt der scheidende Schlossherr, aber der Prestigegewinn sei erheblich. Zudem geht mit der Mitgliedschaft im Weltkulturerbe einher, dass eine renommierte Kulturorganisation streng über die Wahrung des Denkmalschutzes wacht.

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