Der Tagesspiegel : Sorglos in Sanssouci

Visitenkarte für eine mögliche Kulturhauptstadt: 32 000 Besucher bei der ausverkauften Potsdamer Schlössernacht

Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Flanieren, Staunen, Amüsieren – die fünfte Auflage der Potsdamer Schlössernacht verwandelte den Park Sanssouci gestern wieder in eine große Bühne. 32 000 Besucher erlebten vor den festlich angestrahlten königlichen Prunkbauten Musik, Schauspiel, Lesungen und Tanz. Unter dem Motto „Potsdam und Europa“ traten 450 in- und ausländische Künstler auf, mit klassischer Musik, Walzer und Tango, Jazz und Swing, Comedy und Pop. Seit Monaten war die Veranstaltung ausverkauft.

Schon lange vor Einbruch der Dunkelheit waren die besten Plätze vor den 13 Bühnen besetzt. Auf Decken und Gartenstühlen machten es sich die Gäste bequem. Obwohl das Mitbringen von Picknickkörben und eigenen Flaschen nicht erlaubt war, herrschte an Speisen und Getränken kein Mangel. 80 Gastronomiestände boten im Unterschied zu den Vorjahren diesmal eine ausreichende Auswahl an Gerichten an. Die vier Potsdamer Spitzengastronomen von der „Gaststätte zur Ratswaage“, der „Villa Kellermann“, dem „Bayerischen Haus“ und dem Schlosshotel Cecilienhof hatten sich von vornherein die besten Plätze auf der Sanssouci-Terrasse gesichert.

„Potsdam will sich nicht zuletzt mit dieser Veranstaltung als Kandidat für den Titel ‚Kulturhauptstadt Europas 2010’ ins Gespräch bringen“, sagte Gabriele Fischer, in der Stadtverwaltung für Kultur zuständig. „Schöner können wir kaum für Offenheit, Toleranz und Veranstaltungsgeschick werben.“ Da war es sicher ein Vorteil, dass diesmal viele Tickets in Regionen außerhalb von Berlin und Brandenburg und im benachbarten Ausland verkauft wurden. Denn eine Schlössernacht dieser Größe gibt es nur in Potsdam.

Diese Einmaligkeit ließen sich selbst Potsdamer und Berliner Stammgäste der Veranstaltung nicht entgehen. Sie genossen in dieser Nacht die besondere Atmosphäre der historischen Bauten. Auch das Innere der Gebäude erschien buchstäblich in einem anderen Licht. Gestern öffnete die illuminierten „Neuen Kammern“, die Bildergalerie, das „Chinesische Haus“, das Orangerieschloss und das „Neue Palais“ mit der Ausstellung über das Königsschloss in Posen ihre Türen bis weit nach Mitternacht.

Dicht umlagert waren die Neuheiten der Schlössernacht. So trafen die Gäste erstmals auf sprechende Bäume. Versteckte Tonbänder erzählten mystische und historische Geschichten aus dem Leben der Eibe, der Rotbuche, der Zypresse oder des Trompetenbaumes. Premiere feierte ein fast vergessener Gartenweg abseits der Hauptmagistrale zwischen Neuem Palais und Schloss Sanssouci. In den vergangenen Wochen wurde ein vor rund 170 Jahren von Peter Joseph Lenné angelegter Pfad in der Nähe der Römischen Bäder freigelegt. Eigens zur Schlössernacht entstand eine kleine Brücke über den Maschinenteich zur idyllischen Insel im Charlottenhofpark. Doch nicht nur diesen alten Pfad betraten die Gäste im Schein von Petroleumleuchten mit großer Ehrfurcht. Staunend standen sie vor den erleuchteten Römischen Bädern.

Die lange Trockenheit blieb auch bei der Schlössernacht nicht ohne Folgen. Peinlich genau achteten die Sicherheitskräfte auf das Einhalten des Rauchverbotes. Nach strengen Auflagen mussten sich auch die Feuerwerker richten. „Es hat im Park Sanssouci noch nie einen Brand gegeben“, sagte Stiftungsdirektor Professor Hartmut Dorgerloh. „Dabei sollte es auch nach der Schlössernacht bleiben.“ So wurde am Abend entschieden, nur eins der zwei vorbereiteten Feuerwerke im vollen Umfang zu zünden – jenes auf der Mopke vor dem Neuen Palais. Der Funkenflug unterhalb der Weinbergterrassen vor dem Schloss erschien doch zu gefährlich.

Wer keine Karte erwischt hatte, amüsierte sich im Krongut Bornstedt. Dort, in der Nachbarschaft von Park Sanssouci, gab es eine „Venezianische Nacht“. Hier war das Gedränge schon am Nachmittag fast so groß wie im Park Sanssouci. Potsdam würde also problemlos mehrere Schlössernächte und weitereVeranstaltungsorte vertragen. Doch Dorgerloh wehrte alle Fragen in dieser Richtung ab. „Wir wollen die Exklusivität dieser einen Nacht im Jahr wahren und beschränken uns schon aus Kostengründen auf den Park Sanssouci.“

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