Soziales : 2,5 Millionen Hartz-IV-Kinder in Deutschland

Angesichts alarmierender Zahlen zur Kinderarmut hat der Kinderschutzbund rasches Handeln verlangt - sprich mehr Geld. Denn in Deutschland leben über 2,5 Millionen Kinder auf Hartz-IV-Niveau.

Kinderarmut
Kinder beim Essen im sozialen Jugendzentrum "Die Arche" in Berlin. -Foto: ddp

BerlinDer Kinderschutzbund bezifferte die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren, die von Sozialhilfe leben, auf 2,6 Millionen. Zusammen mit den Kindern, die an der Grenze zur Hilfsbedürftigkeit sind, seien es sogar 5 Millionen, sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers. Er verlangte von der Bundesregierung deutlich mehr Hilfen für arme Kinder als bisher geplant. Der Kinderzuschlag für Geringverdiener müsse von derzeit 140 auf 175 Euro monatlich angehoben werden. Vom dritten Kind an müsse er 225 Euro betragen. Hilgers kritisierte scharf, dass die Bundesregierung die 2005 im Koalitionsvertrag für 2006 zugesagten Maßnahmen gegen Kinderarmut immer noch nicht umgesetzt hat.

Der Kinderschutzbund forderte auch einen kostenlosen Zugang der Kinder von ALG-II-Empfängern zu ganztägigen Bildungseinrichtungen. Auch müsse die mit den Hartz-IV-Gesetzen abgeschaffte einmalige Beihilfe für Kinderbekleidung und Schulbedarf wieder eingeführt werden. Laut Kinderschutzbund leben 2,6 Millionen Kinder bis zum Alter von 18 Jahren auf Hartz-IV-Niveau (208 Euro pro Kind). Die Zahl erhöhe sich auf etwa 5 Millionen Kinder, wenn man die Familien dazurechne, die nur knapp oberhalb der Hartz-IV-Grenze leben. In einem Jahr habe die Zahl der armen Kinder um 100.000 zugenommen. "Es geht zu viel vom Aufschwung an den Familien vorbei", sagte Hilgers.

Von der Leyen: Kinderzuschlag für 500.000 Niedrigverdiener

Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) verwies darauf, dass von Anfang Januar 2008 an der Kinderzuschlag für Niedrigverdiener deutlich ausgeweitet wird. Dies habe das Kabinett in der Klausur in Meseberg vereinbart. Damit könnten 500.000 Kinder - statt bisher 124.000 - und ihre Eltern unabhängig von Hartz-IV-Leistungen werden. Von der Leyen widersprach damit auch Berichten, dass der Ausbau des Kinderzuschlags künftig im Rahmen einer längerfristigen Reform des Niedriglohnsektors in die Verantwortung des Arbeitsministeriums von Franz Müntefering (SPD) übergehen könnte. Das Kabinett habe den Zuschlag als "bewährtes Instrument" bekräftigt und den zügigen Ausbau vereinbart.

Die Linke-Fraktion warf von der Leyen vor, kein Konzept für die Bekämpfung der Kinderarmut zu haben. Den vollmundigen Versprechungen zur Bekämpfung von Kinderarmut aus dem Koalitionsvertrag seien keine Taten gefolgt, erklärte die jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, Diana Golze. (mit dpa)