Der Tagesspiegel : Späte Wahrheiten

Selbst mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zahlt sich Beharrlichkeit aus. Frankfurt (Oder) und Treuenbrietzen liefern dafür den Beweis, wenn auch auf höchst unterschiedliche Weise. Die Oderstadt fahndete jahrelang mit bewundernswerter Geduld nach dem Verbleib der kostbaren Fenster der Marienkirche, die 1946 als sogenannte Beutekunst in Museumsdepots Moskaus und Leningrads verschwanden. Jetzt kehrten alle Schätze aus dem 14. Jahrhundert an ihren eigentlichen Ort zurück und dürften bald zur größten Frankfurter Sehenswürdigkeit aufsteigen.

Die Ermittlungen zum Massaker in Treuenbrietzen haben zwar einen anderen Hintergrund. Doch auch hier hofft die Stadt darauf, ein offenes Kapitel der Stadtgeschichte endlich schließen zu können. Die Angehörigen der damals ums Leben gekommenen Einwohner haben ein Recht darauf, die wahren Umstände des schrecklichen Geschehens in den letzten Kriegstagen zu erfahren. Einen Bombenangriff, wie es mehrere Schülergenerationen der Kleinstadt im Geschichtsunterricht lernten, hat es jedenfalls nicht gegeben. Die Staatsanwaltschaft ist jetzt auf die Kooperation der russischen Behörden angewiesen. Frankfurt sollte dabei Mut machen.

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