Spanien - Russland 4:1 : Ewiger Favorit wird aktueller Favorit

Das spanische Team gilt bei jedem großen Turnier als Anwärter auf den Titel. Dann geht meist alles schief. Ein souveräner 4:1-Sieg zum Auftakt über Russland macht der Mannschaft von Trainer Aragones nun Hoffnung auf eine erfolgreiche EM. Und David Villa trifft dreimal. Wenn die Spanier jetzt nur nicht überheblich werden.

Euro 2008: Spanien - Russland
Zum ersten, zum zweiten, zum dritten. David Villa schoss drei von vier Toren.Foto: AFP

Auffällig geworden ist David Villa schon in Deutschland. Bei der Weltmeisterschaft 2006 schoss er für Spanien in vier Spielen drei Tore. Immerhin. Diese Marke hat der Stürmer des FC Valencia bei der Europameisterschaft schon nach einem einzigen Spiel erreicht. Mit seinen drei Treffern war Villa der Held beim überzeugend herausgespielten 4:1 (2:0)-Sieg der Spanier über Russland zum Auftakt in der Gruppe D. Am Samstag im zweiten Spiel gegen Schweden können die Spanier nun schon den Einzug ins Viertelfinale perfekt machen. Die Russen hingegen müssen sich am gleichen Tag gegen Griechenland gegen ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Turnier wehren.

Der Erfolg gegen Russland vor 30 772 Zuschauern in Innsbruck war auch eine große Genugtuung für Spaniens oft eigenwilligen Trainer Luis Aragones. Lange Zeit hatte die Nationalmannschaft nur mit einem Stürmer gespielt. Doch dann probte Aragones in der Vorbereitung auf die EM plötzlich mit zwei Stürmern. Dass der beim FC Arsenal unter Vertrag stehende Cesc Fabregas dabei aber auf die Bank rutschte, brachte Aragones in der Heimat heftige Schelte ein. Anstelle von Fabregas stürmte neben dem gesetzten Fernado Torres zumeist – David Villa. Ein Glücksgriff, wie sich jetzt gegen Russland herausstellte.
Und auch der unverhofft zum Ersatzmann degradierte Fabregas wird nach dem gestrigen Spiel nicht mehr ganz so mürrisch durch die Gegend laufen. Erst in der 54. Minute für den starken Torres eingewechselt, rundete Fabregas mit dem vierten Treffer der Spanier in der Nachspielzeit den Erfolg seiner Mannschaft ab. Kurz zuvor waren die Russen durch Roman Pawljutschenko noch mal auf 1:3 herangekommen.

Geradezu spartanisch fiel der Jubel von Luis Aragones nach dem Abpfiff aus. „Wir sind zufrieden“, stellte der 69-Jährige lediglich trocken fest. Doch seine seine Mannschaft muss nach der Vorstellung gegen Russland zum engen Favoritenkreis dieser EM gezählt werden. Für Aragones selbst könnte ein Titelgewinn indes anstrengende Folgen zur Folge haben. „Wenn wir Europameister werden, pilgere ich auf dem Jakobsweg“, hat Aragones versprochen. Zeit genug wird er dazu haben. Sein Vertrag als Trainer der Nationalmannschaft läuft nach der EM aus.

Die Russen hatten lange Zeit gut mitgehalten, doch die überfallartigen Konter ihres Gegners bereiteten ihnen unlösbare Probleme. „Wir sind für unsere naiven Fehler bestraft worden“, maulte Russlands Trainer Guus Hiddink. Er sprach von „einem Mangel an Erfahrung“ bei seinen Spielern. Vielleicht hätte die Partie auch einen anderen Ausgang genommen, wenn nicht Konstantin Syrjanow bei der besten Chance der Russen vor der Pause nur den Pfosten getroffen hätte. Es wäre das 1:1 gewesen...

Es mögen solche Gefahrenmomente gewesen sein, die Luis Aragones nachher mehr zum Mahner als zum Jubler machten. „Jetzt haben wir die drei Punkte, aber in ein paar Tagen müssen wir wieder spielen“, sagte er und erinnerte damit seine Spieler daran, dass mit diesem einen Sieg noch nichts Großes geschafft ist. Über die Beschwerlichkeiten, die einen Pilgerer auf dem Jakobsweg erwarten, macht sich Aragones jetzt jedenfalls noch keine Gedanken. (Tsp)