Der Tagesspiegel : Sparen und lernen

Wer wenig Geld hat, kann sich trotzdem weiterbilden – manchmal sogar kostenlos

Sandra Fritsch
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Schwein gehabt. Wer Mitglied in der Gewerkschaft ist oder einen Internetanschluss hat, muss nichts für Bildung zahlen. Foto: ddp,...

Wer in letzter Zeit Geld an der Börse verloren hat oder unter der Auftragsflaute leidet, muss an allen Ecken und Enden sparen. Und trotzdem: Auch wenn das Einkommen knapper wird, braucht man auf eine Fortbildung nicht gleich zu verzichten. Schließlich gibt es viele preiswerte Kurse, zum Beispiel an Volkshochschulen. Einige staatliche und private Bildungsanbieter sowie Netzwerke im Internet bieten sogar die Möglichkeit, sich komplett kostenlos weiterzubilden. Hier eine kleine Auswahl.

BETRIEBSWIRT NEBEN DEM BERUF

Die Oberstufenzentren „Handel 1“ und „Banken und Versicherungen“ bieten Kaufleuten eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt an – und zwar gratis. „Die Ausbildung ist kostenlos, weil wir eine staatliche Schule sind und hier in Berlin noch keine Studiengebühren genommen werden“, erklärt Dietrich Sachse von der Europäischen Wirtschaftsfachschule Banken und Versicherungen. Auch die Abschlussprüfung kostet an beiden Schulen nichts.

Voraussetzung für die Teilnahme ist der Realschulabschluss, eine Berufsausbildung und mehrjährige Erfahrung im Job. „Die Fortbildung geht über insgesamt sechs Semester“, erklärt Sachse. Es sind pro Woche drei Studientage festgelegt, der Unterricht findet abends und am Wochenende statt. An beiden Schulen beginnt im September ein neuer Kurs.Ähnliche Lehrgänge führen an anderen Oberstufenzentren zum Abschluss als staatlich geprüfter Techniker. Eine Übersicht aller Schulen und Angebote in Berlin gibt es im Internet unter www.oberstufenzentrum.de.

GRATIS FORTBILDEN IM INTERNET

Wer genügend Disziplin für eine Weiterbildung im Internet aufbringt, kann gratis auf den Seiten des Berliner E-Learning-Anbieters und Fachverlags Teia lernen. Unter www.teialehrbuch.de werden inzwischen 60 unterschiedliche Kurse angeboten. Die Palette reicht von den Grundlagen der BWL über Marketing bis zu einem Crashkurs für Officeprogramme auf dem Computer.

„Man braucht sich nicht anzumelden, sondern kann sofort loslegen“, erklärt Firmenvorstand Lutz Hunger. „Der Kurs kostet überhaupt nichts, allerdings wird auf den Seiten Werbung eingeblendet.“ Wen das störe, könne den Kurs als Lernprogramm auf CD-Rom kaufen.

Wer möchte, kann sich die Fortbildung bei Teia mit einem Zertifikat bescheinigen lassen. Allerdings ist dieser Test kostenpflichtig. Die Preise liegen bei 79 Euro für eine Präsenzprüfung und 49 Euro, wenn man sich online testen lässt. Um staatlich anerkannte Abschlüsse handelt es sich dabei nicht.

SPRACHEN LERNEN MIT PODCASTS

Diese Methode, eine Sprache zu lernen oder aufzufrischen, ist günstiger als ein herkömmlicher Kurs, meist sogar gratis. Unter einem Podcast versteht man eine regelmäßige „Radiosendung“, die über das Internet verbreitet wird. Die Lerndateien lassen sich auf den Computer herunterladen und anschließend auf einen MP3-Player, das Handy oder eine CD übertragen. Seit kurzem werden auch Sprachkurse auf diesem Weg vertrieben. Sprachunterricht per Podcast wird inzwischen auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und sogar Chinesisch angeboten.

Mit den Podcasts können der Wortschatz erweitert, die Grammatik gefestigt oder einfach nur alltägliche Redewendungen gepaukt werden. Allerdings sind die Angebote qualitativ sehr unterschiedlich. Wer seine Kenntnisse auffrischen oder in eine neue Sprache zum Spaß hereinschnuppern möchte, ist mit den Gratis-Sendungen gut bedient. Wer solide Sprachkenntnisse für die Karriere braucht, sollte eher zu einem professionelleren und betreuten Angebot greifen.

Podcasts findet man im Internet zum Beispiel auf den Seiten www.podcast.de oder www.podster.de. Einen Grundkurs Chinesisch kann man unter www.chinesepod.com ausprobieren.

SEMINARE BEI GEWERKSCHAFTEN

Auch Gewerkschaften wie die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bieten kostenlose Lernangebote an – allerdings nur für Mitglieder. So veranstaltet der Berliner Landesverband kommenden Dienstag und Mittwoch einen Kurs für Selbstständige mit geringem Einkommen, vom 5. bis 7. Mai findet ein Seminar zur aktiven Stressbewältigung statt. Auch Arbeitsrechtsseminare gehören dieses Jahr zum Programm. Externe Interessenten dürfen teilnehmen, allerdings nur gegen Gebühr. Informationen gibt es im Internet unter bildung.bb.verdi.de.

WISSEN AUSTAUSCHEN IN FOREN

Dahinter steckt eine etwas andere Art des E-Learnings. Internetnutzer bekommen die Chance, sich in beruflichen Online-Foren anzumelden, wo sie kostenfrei ihr Fachwissen austauschen und erweitern können. „Das ist eine etwas andere, aber sehr effektive Art des Lernens – auch wenn es dafür keine Zertifikate gibt“, meint Gerd Zinke vom Bundesinstitut für Berufsbildung (Bibb). Seiner Meinung nach können sich so Experten etablieren, die unter Umständen auf dem Arbeitsmarkt dringend gesucht werden. Er räumt aber auch ein, dass diese Art des Lernens viel Zeit erfordert. Ein Beispiel aus dem Bereich Technik ist die Plattform www.cnc-arena.de.

WORAUF MAN ACHTEN SOLLTE

Ob im Internet oder beim Seminaranbieter um die Ecke – die Auswahl kostenloser Angebote ist größer als gedacht. Grundsätzlich gilt jedoch: wenn Sie sich für eine Weiterbildung entscheiden, überlegen Sie, was Sie Ihnen bringen soll. Denn gerade im Internet unterscheiden sich viele Angebote stark in ihrer Qualität. Wenn eine Fortbildung den Lebenslauf aufwerten muss, sollte man besser nicht am falschen Ende sparen.

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