Der Tagesspiegel : Spargel ist in diesem Jahr besonders zart

Milder Winter und sonniger April führten zu hoher Qualität. Preise liegen zwischen vier und acht Euro

Claus-Dieter Steyer

Busendorf - So gut und zart wie in diesem Jahr war der Beelitzer Spargel lange nicht. Das liegt vor allem am milden Winter. „Die Wurzeln konnten aus dem frostfreien Boden alle Nährstoffe aufnehmen“, sagte Manfred Schmidt, der Chef des Beelitzer Spargelvereins, während der Saisoneröffnung in Busendorf vor wenigen Tagen. „An den warmen und sonnigen Tagen seit Anfang April konnten die Pflanzen regelrecht in die Höhe sprießen, was einen ausgezeichneten Geschmack der Stangen bewirkte.“ Im Vorjahr hatte der lange Frost zu vielen hohlen Stangen geführt.

Zur guten Qualität des Beelitzer Spargels tragen vor allem die leicht sandigen Böden mit unterschiedlichen Lehmanteilen bei. Am frischesten ist das Edelgemüse in den 14 Spargelhöfen rund um Beelitz bis zum offiziellen Saisonende am 24. Juni zu erhalten. Hier liegen die Kilogrammpreise je nach Qualität der Ernte in diesem Jahr zunächst zwischen vier und acht Euro. Erfahrungsgemäß sinken sie im Laufe der Saison jedoch.

Auf dem insgesamt 2600 Hektar großen Brandenburger Anbaugebiet – 2000 Hektar befinden sich rund um Beelitz – werden die meisten Stangen von polnischen und kroatischen Erntehelfern gestochen. „Zum Glück werden deutsche Arbeitslose von den Arbeitsagenturen nicht mehr auf die Felder gezwungen“, meinte Hugo Simianer, der seit 1991 in Busendorf einen Spargelhof mit angeschlossenem Restaurant betreibt. „Das hilft niemandem, nicht den Unternehmen und nicht den Arbeitslosen.“ Deutsche Saisonkräfte würden stattdessen im Verkauf und beim Transport eingesetzt. Derzeit stehen bei ihm 180 Frauen und Männer auf der Lohnliste, außerhalb der Saison sind es nur drei Arbeitskräfte.

Der Beelitzer Spargel weist eine lange Tradition auf. 1861 brachte der Ackerbauer und Glasermeister Herrmann das erste Edelgemüse nach Berlin. Die Großstädter kamen auf den Geschmack, und dabei ist es bis heute geblieben. Während 1991 ganze 800 Kilogramm geerntet wurden, rechnen die Gemüsebauern diesmal mit bis zu 6000 Tonnen.

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