Spargelsaison : Das große Stechen geht los

Rund um Beelitz beginnt heute die Spargelsaison. Der Winter ist den Stangen offenbar gut bekommen.

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Tunnel der Triebe. Die Folien schützen die Spargelbeete vor Witterungsunbilden. Helfer aus Polen stechen wie hier in Elsholz vielerorts die Spargelstangen.
Tunnel der Triebe. Die Folien schützen die Spargelbeete vor Witterungsunbilden. Helfer aus Polen stechen wie hier in Elsholz...Foto: ddp

BeelitzDas Goethe-Zitat wird jetzt rund um Beelitz wieder gern zitiert: „Der Spargel ist wahrlich der König aller Gemüse; bedauerlich nur, dass seine Herrschaft so kurz währt.“ Während einer Rast in der Posthalterei der südwestlich Berlins gelegenen Kleinstadt soll der Dichter dies niedergeschrieben haben. Allerdings dürften die weißen Stangen zu seiner Zeit nur in einigen Bauerngärten gewachsen sein, denn erst 1861 und damit 29 Jahre nach Goethes Tod begründete der Glasmacher Karl Friedrich Wilhelm Herrmann mit dem ersten feldmäßigen Anbau den Aufstieg zur Spargelregion. Nach dem offiziellen Saisonauftakt am heutigen Freitag läuft die Erntezeit bis zum Johannistag am 24. Juni. Dann heißt es wieder: Kirschen rot, Spargel tot.

Etwa zwei Dutzend Betriebe rund um Beelitz sowie im Spreewald haben sich bereits vor Jahren auf Städter eingerichtet, die ihren Spargel lieber direkt vom Hof kaufen. „Er schmeckt in diesem Jahr wieder sehr gut“, schwärmt Manfred Schmidt, Chef des Beelitzer Spargelvereins. „Die dicke Schneedecke hat ihn zuerst vor dem starken Frost geschützt und mit Beginn des Tauwetters mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt.“ In den sich schnell erwärmenden Sandböden habe der Spargel nun keine Zeit mehr, holzig zu werden. Bis zu sieben Zentimeter schießt eine Stange bei warmem Wetter pro Tag nach oben. Da die Sonne aber auch Beelitz in den vergangenen Wochen nicht gerade verwöhnt hat, überdecken die Landwirte ihre Felder mit großen Folien. Neuerdings gibt es sogar regelrechte Tunnel: Drahtgestelle tragen zusätzliche Planen, unter denen dann richtiges Gewächshausklima herrscht.

Bei einem Ausflug zu den Spargelhöfen werden Interessierte in die neuesten Kniffe der Bauern eingeweiht. Schließlich liegen die Felder gleich nebenan, sodass jeder den Spargelstechern über die Schulter schauen kann. „Alles Handarbeit“, sagt Claudia Mikosch vom Spargelhof Buschmann & Winkelmann in Klaistow. „Für das mühsame Stechen gibt es noch keine Maschine.“

Auch während der an jedem Wochenende stündlich zwischen 11 und 16 Uhr stattfindenden kostenlosen Betriebsführungen würden die Besucher immer wieder über den hohen Personaleinsatz staunen. Zwar übernehmen Automaten inzwischen die Sortierung und das Waschen der Stangen, dennoch sind gleich mehrere Dutzend Frauen und Männer mit den einzelnen Ernteetappen bis zur fertigen Versandkiste beteiligt. „Dann wird vielen Gästen der anfangs als hoch bewertete Preis von derzeit knapp neun Euro pro Kilo der besten Sorte plötzlich verständlich“, sagt Mikosch. Wem das noch zu teuer ist, muss warten: Im Laufe der kommenden Tage wird der Preis langsam sinken.

Der Klaistower Spargelhof bietet schon an diesem Sonnabend und Sonntag sämtliche Waren mit 20 Prozent Rabatt an und schenkt am Samstagabend Freibier für alle aus. Damit feiern Jörg Buschmann und Ernst-August Winkelmann das 20-jährige Jubiläum ihres Betriebes, der wie kein anderer die Beelitzer Spargeltradition nach der Wende wiederbelebte.

Die aus Westfalen stammenden Unternehmer hatten 1990 im Zuge einer Städtepartnerschaft die Gegend kennengelernt. Sie sahen die vielen Kiefern und den sandigen Boden, hörten vom zu DDR-Zeiten fast völlig eingestellten Spargelanbau und pachteten zunächst einmal elf Hektar Land.

Als sie drei Jahre später mit der ersten Ernte auf das Beelitzer Heimatfest fahren wollten, kamen sie gar nicht erst bis zu ihrem Stand. Kaum hatten sie ihren Kofferraum geöffnet, standen die Gemüse-Groupies mit ihren gezückten Geldbeuteln da. Heute gehört den beiden Familien mit 450 Hektar fast die Hälfte der gesamten Beelitzer Anbaufläche. In der Saison beschäftigen sie 600 Erntehelfer, zwei Drittel davon kommen aus Polen.

Ihr Spargelhof ist inzwischen eine Art Eventcenter geworden – mit Holzofenbäckerei, Landfleischerei, Streichelzoo und Hüpfburg, einem Naturwildgehege und Kletterpark. Vor allem an Wochenenden ist hier Hochbetrieb. Wer es ruhiger haben will, sucht sich einen kleineren Spargelhof. Die Stangen schmecken ohnehin überall gleich gut.

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