Der Tagesspiegel : Sparprogramm nach Noten

Durch höhere Gehälter wird der Musikakademie Rheinsberg das Geld knapp

Alexander Fröhlich
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Teures Spiel. Beliebt sind die Open-Air-Aufführungen am Schloss Rheinsberg. Was aber ab Mitte August auf dem Spielplan der...

Rheinsberg – Sie gehört zu den Kultur-Leuchttürmen Brandenburgs. Jedes Jahr zieht die Musikakademie Rheinsberg knapp 20 000 Besucher zu Konzerten und Opernaufführungen an. Doch für die zweite Jahreshälfte droht die Landes- und Bundesakademie an, ihr Programm zusammenzustreichen. Es geht ums Geld.

Erst kürzlich erteilte Staatskanzleichef Clemens Appel (SPD) in Rheinsberg der Forderung von Musikakademie-Direktorin Ulrike Liedtke nach höheren Zuschüssen eine Absage. Rheinsberg gehe es bei der Kulturförderung „deutlich besser als anderen Kommunen im Land“, es erhalte überproportional viel Geld. Tatsächlich bietet Rheinsberg mit dem Schlosstheater der Akademie, dem Schlossmuseum, dem Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum und der Kammeroper von Komponist Siegfried Matthus viel. Die knapp 9000 Einwohner zählende Stadt leistet sich sogar einen Stadtschreiber, dieses Jahr ist es der Satiriker Wiglaf Droste. Aus dem Konjunkturpaket sollen 3,2 Millionen Euro fließen, um das Kavaliershaus zu sanieren. Dort, wo vor mehr als 200 Jahren die Gäste des Prinzen Heinrich von Preußen, des Bruders vom Alten Fritz, logierten und rauschende Feste feierten, üben heute Schüler, Studenten, Laien und Profis für Konzerte.

Besonders beliebt aber sind im Sommer die Opern-Air-Aufführungen im Innenhof des Schlosses mit Blick auf den Rheinsberger See. Erst am Sonnabend startete die Kammeroper in die 19. Festivalsaison. Bis Mitte August präsentieren sich bei 25 Aufführungen und Konzerten 40 junge Sänger aus 16 Ländern, es sind die Besten von 460 Teilnehmern eines Gesangswettbewerbs.

Was aber ab Mitte August in Rheinsberg auf dem Akademie-Spielplan steht, ist völlig unklar. Der Veranstaltungsplan auf der Internetseite gibt jedenfalls keine Auskunft. Es geht um 713 000 Euro, die das Land jedes Jahr an die Musikakademie überweist. Seit 1998 blieb der Betrag gleich. Doch die nach Tarif im öffentlichen Dienst Beschäftigten bekommen seit März höhere Gehälter auf West-Niveau, die Akademie muss sparen. Von Zusatzkosten in Höhe von mehreren 1000 Euro ist die Rede. „Es geht um eine vergleichsweise kleine Summe“, sagte die Vorsitzende der Gesellschafter-Versammlung, Karin Niemann.

Im Gespräch ist nun ein schlankeres Herbstprogramm, vor allem Gastspiele professioneller Orchester sollen dann wegfallen. Alternativ könnten die Kurs- und Übernachtungskosten steigen, dann aber drohen Laienmusiker fernzubleiben.

Offiziell äußert sich die Akademie-Leitung nicht und verweist auf laufende Gespräche im Aufsichtsrat. Auch Ernst Ullrich Neumann, Präsident des Landesmusikrates, weist lediglich auf den deutschlandweit guten Ruf der Spielstätte hin, hält sich ansonsten aber bedeckt – „um die Verhandlungen und die Musikakademie nicht zu gefährden“.

Brandenburgs Vize-Regierungssprecher Holger Drews sagte dem Tagesspiegel, Aufsichtsrat und Landesregierung sähen „Klärungs- und Prüfungsbedarf“, eine Arbeitsgruppe sei eingerichtet worden. „Die vorgelegten Zahlen können wir so nicht nachvollziehen.“ Aus dem Kulturministerium verlautete, es gebe keinen Spielraum für mehr Geld.

Die Akademie selbst ist ratlos. „Sie weiß nicht, wo man noch sparen kann“, sagt Karin Niemann. Allzu gern schmücke sich das Land mit der Bildungsstätte für den Musik-Nachwuchs, „aber wenn es ums Geld geht, passiert nichts.“ Allerdings weiß Niemann mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftskrise auch: „Wo nichts da ist, kann nichts zusätzlich ausgegeben werden.“ Alexander Fröhlich

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