Der Tagesspiegel : SPD gewann drei Bürgermeisterposten

Claus- Dieter Steyer

In der zweiten Wahlrunde der hauptamtlichen Bürgermeister blieben gestern Überraschungen aus. In drei der sieben Städte setzten sich die Kandidaten der SPD durch, zweimal gewann die CDU und in zwei Orten entschieden sich die Wähler für unabhängige Einzelbewerber. Leer ging die PDS aus. Die Wahlbeteiligung fiel noch geringer aus als bei der Abstimmung am vorangegangenen Sonntag. Sie schwankte zwischen 35 Prozent in Vetschau und 58 Prozent in Calau.

Die Bürgermeister heißen: in Wriezen Uwe Siebert (Einzelbewerber/93,52 Prozent), in Bad Freienwalde (beide Kreis Märkisch-Oderland): Ralf Lehmann (Einzelbewerber/60,44 Prozent), in Calau: Norwin Märkisch (CDU/68,11 Prozent), in Vetschau: Axel Müller (SPD/76,77 Prozent), in Großräschen (alle Kreis Oberspreewald-Lausitz): Thomas Zenker (SPD/93,6 Prozent), in Nauen (Havelland): Detlef Fleischmann (SPD/75,42) und in Kolkwitz (Spree-Neiße): Fritz Handrow (CDU/91,63 Prozent). In Wriezen, Großräschen und Kolkwitz stellte sich nur ein Kandidat zur Wahl.

Mit besonderer Spannung war die Abstimmung in Bad Freienwalde, rund 40 Kilometer nordöstlich Berlins gelegen, erwartet worden. Dort hatte der parteilose Bürgermeister Ralf Lehmann erst kurz vor der Wahl seinen umstrittenen Vorschlag zur Sanierung des Haushalts zurückgezogen: Die 123 Angestellten der Stadtverwaltung sollten auf ihr Dezembergehalt und das Weihnachtsgeld verzichten. Das wäre ein wichtiger Beitrag zum Schuldenabbau, meinte der SPD-Mann. Doch er stieß damit nicht nur in der Stadt am Rande des Oderbruchs auf großen Widerstand. Die Gewerkschaft Verdi warf Lehmann Unkenntnis der Arbeits- und Tarifverträge sowie eine unnötige Verunsicherung der Beschäftigten vor. Lehmann gestand schließlich ein, "dass man über Geld sensibler reden sollte".

Am Ende honorierten die Wähler wohl seine späte Einsicht. Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 48 Prozent erhielt Lehmann 60,4 Prozent der Stimmen. Mit großem Abstand folgten die Vertreter von SPD (20,6), PDS (11,3) und CDU 7,6 Prozent). Doch auch nach dieser Wahl steckt Bad Freienwalde in der Zwickmühle. Das Städtchen hat sich nach dem Verlust des Kreissitzes 1993 voll auf die Anerkennung als Kurort konzentriert. Der vorläufige Status gilt bis Ende 2003. Passiert nichts, muss die Vorsilbe "Bad" aus dem Ortsnamen gestrichen werden. Doch für weitere Bauten wie einem Haus des Gastes oder für die vollständige Verbannung des Durchgangsverkehrs aus dem Zentrum fehlt das Geld.

Aus der ersten Runde am 11. November war die SPD mit zehn Erfolgen als klarer Sieger hervorgegangen. Die FDP gewann drei Bürgermeisterposten, die PDS zwei und die CDU nur einen. Viermal waren unabhängige Kandidaten erfolgreich. Am 2. Dezember finden in zahlreichen Städten Stichwahlen statt. Dort hatte kein Bewerber auf Anhieb mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten.

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