SPD : „Schutzschirm“ für Jobs

Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist für den Bundestag nominiert. 2009 tritt er als Direktkandidat an.

Thorsten Metzner

Brandenburg/Havel - Es ist ein einziger Satz, der alles erklärt. „Ich bin in Brandenburg angekommen.“ Als ihn Frank-Walter Steinmeier, Außenminister und Kanzlerkandidat der SPD, im Theater der Havelstadt ausspricht, unter tosendem Beifall, hat er gerade einen kleinen, aber nicht unwichtigen Sieg errungen. Der 52-jährige Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel ist für den Wahlkreis 61, zu dem Brandenburg an der Havel, Teile Potsdam-Mittelmarks und Teltow-Flämings gehören, gerade als SPD-Direktkandidat für den Bundestag aufgestellt worden, für den er 2009 erstmals kandidieren wird. Aufgestellt? Nein, inthronisiert wurde er mit 63 von 64 Stimmen, als Menschengewinnler in tiefer märkischer Provinz, in Ostdeutschland.

So selbstverständlich, wie es aussieht, ist das gar nicht. Als Steinmeier vor einem Jahr in den Ortsverein Kirchmöser der Stadt Brandenburg wechselte, gab es bei Genossen durchaus Vorbehalte gegen den Prominenten mit Westvita. Der hat sich seitdem mit vielen Terminen im Wahlkreis erfolgreich um Bodenhaftung bemüht. Er werde sich in Berlin, „für den Wahlkreis einsetzen“, versprach Steinmeier gestern. Es sei ein Landstrich, der auch eine „soziale Modellregion“ werden könne. Es fiel auf, dass der Kandidat, der mittlerweise fast jeden Genossen vor Ort kennt, viele Hände schüttelte und keinen übersah. Von Fremdeln bei Steinmeier keine Spur, auch keine andächtige Erfurcht auf der anderen Seite.

In seiner Bewerbung allerdings sprach dann doch eher der Staatsmann – einer, der auch in Krisenzeiten Sicherheit ausstrahlt, schon rein körperlich ein Fels, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. Einer der weiß, wo es lang geht, zumindest den Eindruck vermittelt. „Wir spielen bei der Bundestagswahl nicht auf Platz, sondern auf Sieg“, rief Steinmeier den Delegierten zu. Die SPD, die „Partei der Millionen, nicht die der Millionäre“ sei wieder im Spiel, die Union werde „nervös“. Angesichts der Finanzmarktkrise dürfe schon daran erinnert werden, dass die SPD – anders als CDU und FDP – gewarnt habe. Dass Franz Müntefering damals beschimpft wurde, als er von den „Heuschrecken“ sprach. Nötig sei nach dem Rettungspakt für die Banken nun ein „Schutzschirm“ für Jobs. Er sei auch gegen Sozialkürzungen. Dann formulierte der Mann, der Kanzler werden will, einen hohen Anspruch: „Mein Ziel ist es, dass wir bis 2020 die Arbeitslosigkeit nicht nur bekämpfen, sondern besiegen.“ Daran wird sich Kandidat Steinmeier messen lassen müssen. Thorsten Metzner

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