Der Tagesspiegel : Spektakel der Glücksvögel

Besucher im Unteren Odertal können bis zum nächsten Sonntag ein Kranich-Diplom erwerben

Claus-Dieter Steyer
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Die letzte Rast. Vor dem Flug nach Süden kräftigen sich Kraniche in Brandenburg. Im Rhin-Havelluch und im Oderbruch werden jetzt...ddp

Gartz – Das Datum des heutigen Wahlsonntags könnten sich Naturfreunde auf einer besonderen Urkunde verewigen lassen. „Kranich-Diplom“, heißt das entsprechende Papier, das es für die Teilnahme an einem zauberhaften Naturschauspiel gibt. Das zelebrieren derzeit zwar wieder tausende „Vögel des Glücks“ in vielen gewässerreichen Gegenden Brandenburgs, doch nur im 90 Kilometer nordöstlich Berlins gelegenen Nationalpark Unteres Odertal finden Besucher derzeit eine Fülle von Informationen und Exkursionsangeboten. „Bei unserer vierten Kranichwoche in Gartz bieten wir Ausflüge zu den Fress- und Schlafplätzen der majestätischen Vögel“, sagt Naturpark-Chef Dirk Treichel. „Dabei beziehen wir wieder den polnischen Teil des Nationalparks ein, den wir unter anderem mit einem Busshuttle erreichen.“ Nach einem Vortrag mit dem verführerischen Titel „Glücksvogel, Himmelsbotschafter und Tänzer“ erhält jeder ein Kranich-Diplom. Er beginnt von heute bis zum 4. Oktober um 16 Uhr in der Schule von Gartz.

Nach dieser gelungenen Einstimmung geht es zur Exkursion auf den Oderdeich. Hier empfiehlt sich die Mitnahme eines Fernglases, um die Kraniche genau beobachten zu können. In Formationen fliegen sie über die Köpfe der Neugierigen hinweg. Der asphaltierte Deich dient dabei als einzigartige Tribüne. Denn die Vögel stärken sich für ihren Weiterflug in Richtung Süden ab November auf deutscher Seite auf den Feldern, während sie die Nachtruhe hinter dem Deich auf polnischer Seite bevorzugen. Hier stehen sie dann möglichst im knietiefen Wasser, um sich vor dem Fuchs und anderen Raubtieren in Sicherheit zu bringen.

Das Schauspiel kann auch aus dem Kirchturm in Gartz verfolgt werden. Hier fliegen die Kraniche ab 17.30 Uhr fast in Augenhöhe vorbei. Ein Naturwächter versorgt die Besucher auch hier mit allen Informationen. Frühaufsteher können sich auch für eine der schon um 6.30 Uhr beginnenden Exkursionen entscheiden. Dabei werden unter anderem Fragen nach dem Putzen der Schnäbel oder nach der Lieblingsspeise der Kranichkinder beantwortet. Ebenso geht es per Fahrrad, per Kremser oder per Fahrgastschiff zu den Quartieren der beliebten Vögel.

Auch im nordwestlich Berlins gelegenen Rhinluch hat die alljährliche Kranichrast begonnen. Mitte der Woche haben Naturwächter in der Nähe des Ortes Linum bereits 22 000 Vögel gezählt. Im Oktober steigt ihre Zahl auf 70 000 an. Das Teichgebiet zählt inzwischen zu den größten Kranich-Plätzen Europas. Auf den abgeernteten Maisschlägen finden Kraniche genügend Nahrung in Form von Maiskörnern, Regenwürmern, Insekten und Mäusen. Das NABU-Naturschutzzentrum „Storchenschmiede Linum“ bietet während der Rastzeit zahlreiche Führungen an (Anmeldung unter 033922 50500).

Infos zur Kranichwoche im Nationalpark Unteres Untertal: Tel. 033 32 / 26 770 und 0172 / 38 75 390 sowie www.unteres-odertal.de Autofahrer fahren auf der

A 11 Berlin-Prenzlau bis zur Abfahrt Penkun und von dort nach Gartz.

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