Der Tagesspiegel : Spender mit Geschäftssinn

Günther Jauch erhält den Montblanc-Preis und plaudert über sein kulturelles Engagement

Frauke Herweg

Er wohnt gleich um die Ecke. Zur Pressekonferenz im Potsdamer Palais Lichtenau kommt er trotzdem zu spät. Groß, schlacksig, im offenen rotschwarzen Nadelstreifenanzug hetzt Moderator Günther Jauch zum Mikrofon. Er wird wegen seines Engagements für Potsdam mit dem Montblanc Arts Patronage Awards ausgezeichnet.

Der 46-Jährige hatte den Wiederaufbau des Fortuna-Portals des zerstörten Potsdamer Stadtschlosses initiiert und mit einer Spende von 3,5 Millionen Euro unterstützt. Außerdem engagierte er sich für die Rekonstruktion des Kloebersaals im Marmorpalais und die Wiederherstellung des in den 60er Jahren mit Trümmern des Stadtschlosses zugeschütteten Stadtkanals. „Fördern und fordern“, sagt Jauch, das sei sein Prinzip. Jeder könne helfen. „Doch leider gibt es so eine Art Sterntalermentalität, die zu sehr auf das Engagement derer vertraut, die es sich vermeintlich leisten können.“ Als er bei einem Spaziergang sah, dass im Marmorpalais das bereits restaurierte Wandgemälde unter seinem maroden Dach zu vergammeln drohte, bot er der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein Geschäft an: Spende gegen restauriertes Dach. „Man möchte ein guter Mensch sein“, sagt Jauch grinsend. „Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man klare Geschäfte aushandeln muss.“

Der Montblancpreis ist mit 15 000 Euro dotiert. Jauch gibt das Geld weiter an den Förderverein Alte Neuendorfer Kirche, der sich für den Wiederaufbau des Babelsberger Gotteshauses einsetzt, und den Verein Memorial, der sich für den Erhalt des ehemaligen KGB-Gefängnisses in der Nauener Vorstadt einsetzt. „Es gibt Leute, die nicht so gerne sehen, dass man sich daran erinnert“, sagt er. Gleichwohl sei das Haus untrennbar mit der Geschichte Potsdams verbunden.

Jauch plaudert charmant, locker. Einige Spitzen kann er sich nicht verkneifen. Gegen die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel etwa, die bereits gesammelte 5,7 Millionen Euro nur zu Verfügung stellen will, wenn in der wiederaufgebauten Garnisonkirche kein Asyl geboten, keine feminististische Theologie gelehrt und keine gleichgeschlechtlichen Ehen geschlossen werden. „Darauf kann die Kirche nicht eingehen“, sagt Jauch. „Und das sollte sie auch nicht.“

Prinz Friedrich von Preußen, Adlon-Direktor Jean van Daalen, Volker Schlöndorff und Anna Thalbach – sie alle kommen, wenn Günther Jauch kommt. Der Ort der Ehrung ist mit Bedacht gewählt: Das Palais Lichtenau ist eine bröckelnde Schönheit.

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