Spiele in Peking : EU-Kommissarin droht mit Olympia-Boykott

Die Diskussion um einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in China geht in die nächste Runde: EU- Kommissarin Benita Ferrero-Waldner droht China mit einem Boykott. "Wir sollten uns genau anschauen, wie sich Peking in den nächsten Wochen verhält - und dann über Maßnahmen entscheiden."

Angelika Rausch[dpa]

Hannover "Die Olympischen Spiele können nur in einem Umfeld stattfinden, das den olympischen Geist widerspiegelt. Dazu gehört die Respektierung der Menschenrechte, ebenso die uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit", sagte Ferrero-Waldner weiter.

Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, fordert nach den Unruhen in Tibet eine unabhängige Untersuchung der Vereinten Nationen. "Wenn es die Führung in Peking mit Offenheit ernst meint und nichts zu verbergen hat, sollte sie eine unabhängige Untersuchung durch die Vereinten Nationen erlauben", sagte sie. Einen Boykott der Olympia-Eröffnungsfeier sieht die Menschenrechtlerin skeptisch. "Die Olympischen Spiele sollten zum Anlass genommen werden, strukturelle Veränderungen zu erreichen", sagte sie. Regierungen, Sportverbände und Sponsoren seien gefordert, konkrete Fortschritte einzufordern.

Bildungsministerin Schavan besucht China

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hält trotz der Niederschlagung der Unruhen in Tibet an ihrer für Mitte April geplanten Reise nach China fest. "Ich sehe derzeit keinen Grund, die Reise abzusagen. Wenn ich meine Kollegen dort treffe, dann ist aber klar, dass wir nicht nur über Forschungsprojekte sprechen, sondern über Themen, die präsent sind", sagte Schavan.

In der Debatte über einen Boykott schließt WDR-Intendantin Monika Piel einen Ausstieg der ARD aus der Berichterstattung nicht aus. Würden etwa die Arbeitsmöglichkeiten für ARD-Kamerateams eingeschränkt, "müssen wir über die Berichterstattung neu nachdenken", sagte Piel. Es sei klüger, eine Entscheidung über einen Boykott "offen zu lassen", so Piel. Sie stellte zudem die zukünftige Übertragung der Tour de France in der ARD in Frage.

Sportler sollen nicht protestieren

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds, Michael Vesper, hält nichts von Protestäußerungen deutscher Olympia-Teilnehmer gegen die chinesische Tibet-Politik im Rahmen der Wettkämpfe von Peking. "An den olympischen Stätten sind politische Demonstrationen untersagt", sagte Vesper. Als Maulkorb will er die Rücksicht auf die IOC-Charta aber nicht verstanden wissen: Es gelte das "Leitbild des mündigen Athleten. Der soll sich eine Meinung bilden, sie sagen und öffentlich vertreten - wenn er es will." Außerhalb der olympischen Stätten könne und solle jeder Athlet seine Meinung zu diesen Fragen kundtun.

"Stellen Sie sich einmal vor, dass der serbische Sportler für den Kosovo als Teil Serbiens demonstriert und der Kosovare für das Gegenteil, dass Basken, Kurden und wer sonst während des 10000-Meter-Laufs für ihre Anliegen eintreten. Das kann nicht gutgehen", sagte Vesper. Er  mahnte einen fairen Umgang mit dem Gastgeberland China an: Es habe "in den vergangenen sieben Jahren enorme Entwicklungen in China gegeben". Das Land vollziehe in wenigen Jahren einen Prozess nach, "für den Mitteleuropa drei Jahrhunderte gebraucht hat". (dm/ddp)