Spielebranche : "Wir langweilen die Leute zu Tode"

In einem Markt, der keine Grenzen zu kennen schien, ist Ernüchterung eingekehrt: In der Videospiele-Branche herrscht auf der Fachmesse E3 Katerstimmung. Selbstkritisch sucht man den Blick nach vorne.

Computerspieler
Spielt er noch oder schläft er schon? -<a href="http://www.flickr.com/photos/akimowitsch" target="_blank">Foto:</a> Fehrenbach

Santa MonicaDie erfolgsverwöhnten Anbieter von Videospielen stehen unter unter ungewohntem Druck. Bei Sonys Playstation 3, potenzielles Zugpferd der Spieleindustrie, bleibt der erhoffte Ansturm bislang aus. Rivale Microsoft hatte mit seiner Xbox 360 zwar zunächst Erfolg, seit rund einer Woche kämpft der Software-Hersteller aber mit einem Hardware-Fehler und legte schon mal vorsorglich über eine Milliarde Dollar für anfallende Reparaturen und zur Schadensbegrenzung zurück. Zudem befürchten die großen Hersteller, dass der Markt wegen fehlender Neukunden stagniert - und stimmen zum Start der Videospielemesse E3 in Santa Monica zu ungewöhnlich selbstkritische Töne an.

Probleme sind hausgemacht

"Wir langweilen die Leute zu Tode und bringen Spiele heraus, die immer schwerer zu spielen sind", sagte John Riccitiello, neuer Chef des weltgrößten Spiele-Verlags Electronic Arts, gegenüber dem "Wall Street Journal". Schon vor Monaten hatten Analysten des renommierten Markforschungsinstituts Gartner der Branche Probleme prognostiziert. Immer ausgefeiltere Grafikdarstellungen in den aktuellen Titeln für die technisch hoch gerüsteten Konsolen machen die Entwicklung der Spiele teurer. Preise zwischen 50 und 70 Euro pro Spiel sind denn auch eher die Regel als die Ausnahme. Da aber der Kreis der eingefleischten Gamer, die solche Preise anstandslos zahlen, nicht wächst, könnte die Branche vor einer massiven Krise stehen.

Dass es auch anders geht, hat das japanische Traditionshaus Nintendo vorgemacht und in der Branche für Erstaunen gesorgt. Mit der neuen Konsole Wii war das Unternehmen aus der Technologie-Spirale ausgeschert, die von Sony und Microsoft bei der Entwicklung neuer Konsolen seit Jahren angetrieben wird. Stattdessen machte sich Nintendo Gedanken, wie neue Spielideen den Kreis der Konsolenspieler vergrößern können. Die mit Abstand günstigste Konsole steht zwar keineswegs auf dem neuesten technischen Stand, spricht aber auch mit ihrem relativ niedrigen Preis potenzielle Neukunden an.

Nintendo zieht mit Wii davon

Gemessen an der verkauften Stückzahl hängt Nintendo Monat für Monat die Rivalen Sony und Microsoft ab. Die Wii wird mit einem neuartigen Controller bedient, der einer kleinen Fernbedienung ähnelt. Das Spielgeschehen wird über die Bewegungen gesteuert, die der Spieler mit dem Controller vor dem Fernseher macht. Mit einer Reihe von neuen Titeln hat das Unternehmen bereits seine Zielgruppe auf die begehrte Gruppe der "Noch-Nicht-Gamer" erweitern können. Auch der Anteil weiblicher Spieler ist bei Nintendo-Spielen gestiegen.

Den eher schleppenden Absatz der PS3 versucht Sony nun, mit der jüngsten Preissenkung wieder anzukurbeln. Die Konsole wird es zumindest im US-amerikanischen Markt mit 60-Gigabyte-Festplatte nun für rund hundert Dollar weniger geben. Davon verspricht sich Sony eine Verdoppelung des Konsolen-Absatzes in den USA.

Microsoft und Sony wollen ihre Preise halten

Noch plant Microsoft nach eigenen Angaben keine Preisabschläge für seine Xbox 360. Doch auch Sony hatte kursierende Gerüchte über solche Pläne zunächst über Wochen dementiert. Eine entsprechende Ankündigung könnte sich der Softwarekonzern aber auch für die E3 aufheben, die in diesem Jahr von Mittwoch an erstmals in deutlich kleinerer Ausführung statt in Los Angeles im kalifornischen Santa Monica stattfindet. Allerdings hat der Softwarekonzern aktuell mit den Kosten für den Hardware-Fehler der Konsole zu kämpfen, die sich nach Schätzung des Unternehmens auf bis zu 1,15 Milliarden Dollar belaufen könnten. Der Fehler sei in "nicht akzeptabler Anzahl" bei den Spielzeugen aufgetreten, hatte Xbox-Chef Robbie Bach vergangene Woche bestätigt.

Auf einen besseren Verkauf der Konsolen dürften aber auch die Spieleentwickler sehnlichst warten. Schließlich setzen die großen Entwickler und Verlage seit Jahren auf aufwendige, aber auch umsatzstarke Titel, die speziell für die Technologie der jeweils neuen Konsolen-Generationen entwickelt werden. Technisch und grafisch bis ins Detail ausgefeilt, fehlt es ihnen nach Einschätzung von Riccitiello allerdings oft an neuen Ideen. Es gebe eine Menge Produkte, die seit Jahren immer wieder ganz ähnlich neu aufgelegt werden, so der EA-Chef. (mit dpa)