Spionage-Prozess : McLaren will sich "mustergültig" verhalten haben

In der Spionage-Affäre der Formel 1 will Ferrari vor dem International Court of Appeal doch noch eine Verurteilung von McLaren-Mercedes erreichen. Dessen Sportchef Norbert Haug wehrte unterdessen alle Vorwürfe erneut ab.

Haug
"Wir haben uns mustergültig verhalten": McLaren-Mercedes-Sportchef Haug (rechts), hier mit Bernie Ecclestone. -Foto: ddp

Budapest/Frankfurt Der Schlagabtausch in der Spionage-Affäre um McLaren-Mercedes und Ferrari geht in die nächste Runde. Mercedes-Motorsportchef Nobert Haug sprach in Budapest von einem "mustergültigen Verhalten" des Silberpfeil-Teams und rechtfertigte den Brief von McLaren-Chef Ron Dennis an den italienischen Automobil-Verbandspräsidenten Luigi Macaluso. "Es ist nicht so, dass wir und Ron Dennis gerne Briefe schreiben, sondern es geht um die Klarstellung. Das Briefeschreiben im Internet wurde ja von anderer Seite begonnen. Wir haben uns mustergültig ruhig verhalten bis zur Anhörung", betonte er im Abosender Premiere.

Macaluso, der auf den Freispruch von McLaren-Mercedes vor dem Weltrat des Internationalen Automobilverbandes (FIA) mit Unverständnis reagiert und sich an den FIA-Präsidenten Max Mosley gewandt hatte, antwortete wiederum auf das Schreiben von Dennis. "Aus ihrem Brief wird offensichtlich, dass es deutliche Unterschiede in der Betrachtung der Ereignisse zwischen McLaren und Mercedes gibt", hieß es in dem Brief Macalusos, der auch Mitglied des Weltrats ist.

McLaren unter Vorbehalt freigesprochen

Es sei indes unangebracht und nicht seine Aufgabe, auf die verschiedenen Punkte einzugehen, die Dennis in seinem fünfseitigen Schreiben an ihn aufgeführt hatte. "Ich möchte mich darauf beschränken, zu betonen, dass ein Verstoß von McLaren gegen den Artikel 151c des International Sporting Codes festgestellt wurde, aber das Team ohne Strafe davonkam", schrieb Macaluso in seinem Antwort-Brief an den Briten.

Der Artikel bezieht sich auf "jedes betrügerische Verhalten" oder "jede Handlung, die dem Interesse aller Wettbewerbe oder dem Interesse des Motorsports abträglich ist". McLaren-Mercedes, das mit seinen beiden Piloten Lewis Hamilton (England) und Fernando Alonso (Spanien) sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteurswertung vor dem Großen Preis von Ungarn an diesem Sonntag (14:00 Uhr/RTL und Premiere) anführt, war vom Verdacht der Spionage zwar freigesprochen worden. Die Entscheidung am 26. Juli in Paris wurde aber mit einer Warnung versehen. Sollte doch noch nachgewiesen werden können, dass die Silberpfeile von den Unterlagen im Besitz ihres suspendierten Designers Mike Coughlan profitiert haben, droht der Ausschluss aus der laufenden sowie aus der Weltmeisterschaft des kommenden Jahres.

Ferrari fühlt sich nicht ausreichend gehört

Ferrari reicht das aber nicht aus. Die Scuderia habe bei der Anhörung vor dem Weltrat des Internationalen Automobilverbandes FIA nicht ausreichend Gelegenheit gehabt, dem Council die Sachlage aus ihrer Sicht zu schildern oder Schlüsselfiguren zu befragen. "Eine Anhörung vor dem International Court of Appeal wird Ferrari eine Gelegenheit bieten, seine Beweise und Argumente im Detail zu präsentieren", schrieb Macaluso. Als möglicher Termin wird mit der Woche nach dem Türkei-Rennen Ende August spekuliert.

"Ich denke, das war eine sehr, sehr präzise Anhörung - und bei der ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass dem Team nichts nachzusagen ist. Ich störe mich sehr daran, wenn jemand sagt, wir seien schuldig", konterte unterdessen Mercedes-Mann Haug. Ein Mitarbeiter, der sofort nach Bekanntwerden der Affäre suspendiert worden war, habe Ferrari-Unterlagen in seinem Privatbesitz gehabt, nicht aber das Team.

Stepney: Keine Notwendigkeit, Ferrari zu verpfeifen

Haug begrüßt zwar die Berufungsverhandlung - "denn da wird nur das rauskommen, was wir bisher gesagt haben". Doch erneuerte er auch die Vorwürfe an Ferrari, dessen ehemaliger Chefmechaniker Nigel Stepney das Corpus delicti - 780 Seiten mit vertraulichen Informationen der Marke aus Maranello - an Coughlan weiter geleitet haben soll. "Wenn wir für unseren Mitarbeiter zuständig und verantwortlich sind, dann ist das Team, wo das Material herkommt, allemal dafür zuständig, denn hätte dieser Mann das Material nicht weitergegeben, dann hätten wir das ganze Thema nicht. Ich bin sehr für das Verursacherprinzip", betonte Haug.

Stepney selbst wies die Darstellung von Dennis zurück, er habe McLaren-Mercedes den Tipp gegeben, dass Ferrari beim Saisonauftakt in Melbourne mit einem illegalen Unterboden gewonnen habe. "Es ist nicht wahr, dass ich Unregelmäßigkeiten enthüllt habe", wurde Stepney in der "Gazzetta dello Sport" zitiert. Man müsse sich nur das Auto anschauen, um zu realisieren, dass etwas faul sei. "Bei McLaren wussten sie dies ohne die Notwendigkeit des Verpfeifens." (mit dpa)