• „... dann sind die Menschen gefangen“ Fußball-Stadien aus Sicht der Wissenschaft

Sport : „... dann sind die Menschen gefangen“ Fußball-Stadien aus Sicht der Wissenschaft

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Die Fifa hat detaillierte Anforderungen für die WM-Stadien gestellt, alle Baumaßnahmen erfolgten in Absprache mit den Behörden. Wieso reichen die Vorschriften nicht?

Die Fifa verweist auf lokale Vorschriften, und die sind nicht in allen Bundesländern gleich. Zudem sind die Vorschriften statisch. Mit der Festlegung der Türbreite kann man die Dynamik von Menschenmassen unter Stress aber nicht abbilden.

Sie simulieren Panik am Computer ...

Panik zu simulieren wäre Quatsch, da ist nur Durcheinander. Mit unserer Software können wir aber die Bewegungen von 25 Millionen Menschen gleichzeitig simulieren – wie in einem Computerspiel. Wir digitalisieren das Stadion, dann geben wir jedem Zuschauer Eigenschaften: etwa wie schnell er reagiert, wohin er läuft, ob er alkoholisiert ist.

Sind die modernen Arenen gefährlicher als die alten Stadien?

Auf jeden Fall. Die Personendichte ist viel höher, und die Ränge sind viel steiler. Wenn dann der Druck von oben kommt und der Weg auf das Spielfeld versperrt ist, sind die Menschen gefangen. 50 Menschen erzeugen eine Tonne Druck.

Hat der DFB ihre Erkenntnisse genutzt?

Wir haben beim Länderspiel gegen Schottland im September 2003 einen Block des Westfalenstadions am Computer und mit Videos untersucht und dabei einige Missstände gefunden. Aber der DFB hat das nicht weiterverfolgt.

Auch die Stiftung Warentest hat Ihre Methode nicht genutzt.

Sie wäre dazu finanziell gar nicht in der Lage gewesen. Umso wichtiger ist es, das jetzt systematisch nachzuholen. Wir müssten morgen anfangen.

Die Fragen stellte Jens Poggenpohl.

Michael Schreckenberg, 49 , von der

Universität Duisburg- Essen untersucht schon seit vielen

Jahren mit Hilfe von Computersimulationen Verkehrs- und Menschenströme.

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