Gold-Kufen sind Leihgabe aus Potsdam : Deutsche Hilfe für Bob-Pilot Subkow

Die deutschen Bob-Fahrer waren die große Enttäuschung in Sotschi. Nun kommt heraus: Ausgerechnet ein Potsdamer Pilot hat Alexander Subkow die Kufen weitergegeben, mit denen der Russe Gold gewann.

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Manual Machata (l.) und Alexander Subkow.
Manual Machata (l.) und Alexander Subkow.Foto: Imago

Der russische Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow hat bei den olympischen Bob-Rennen Hilfe von der deutschen Konkurrenz bekommen. Der Russe soll vom deutschen Bobfahrer Manuel Machata Kufen erhalten haben, weshalb Rainer Jacobus von einem Skandal sprach. „Ich habe im Startbereich davon erfahren und war schockiert. Der ganze deutsche Verband ist entsetzt“, sagte der Vizepräsident des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD).

Manuel Machata, Weltmeister im Viererbob von 2011, wehrt sich nun gegen die Kritik und die Vorwürfe. „Ich kann die Aufregung nicht verstehen“, sagte der Pilot aus Berchtesgaden, der für den SC Potsdam startet. Wie Machata auf Anfrage der „Potsdamer Neueste Nachrichten“ am Montag erklärte, sei der Kufensatz von einem Schweizer Hersteller entwickelt und ihm wie auch Subkow angeboten worden. „Der Hersteller wollte, dass die Kufen bei den Spielen zum Einsatz kommen und entweder von mir oder Subkow gefahren werden“, sagte Machata, wobei der Schweizer Hersteller ihm den Vorrang gegeben habe. „Ich wollte eine gute Kufe haben und war bereit, dafür eigenes Geld in die Hand zu nehmen“, sagte Machata. 30 000 Euro habe er in Entwicklung und Tests investiert.

Für die Olympia-Nominierung kam der Kufensatz made in Switzerland allerdings zu spät. Bei den Weltcups in Übersee als Nominierungsrennen fuhr Machata den späteren Sotschi-Startern Arndt, Friedrich und Florschütz zunächst hinterher. Beim Weltcup in Winterberg am ersten Januar-Wochenende war Machata jedoch in Top-Form und fuhr schneller als die gesamte Welt-Elite, allerdings außerhalb der Konkurrenz. Sein Viererbob wurde als Spurbob vor jedem offiziellen Durchgang eingesetzt, um die Bahn zu testen. Seine Leistung blieb für die Olympia-Nominierung unberücksichtigt. „Es war der Deal, dass in diesem Fall Subkow die Kufen bekommt“, so der 29-Jährige. Er habe sie dem späteren Doppel-Olympiasieger als Leihgabe überlassen.

Machata versteht das weder als Affront gegen den Verband noch gegen das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin. Das FES hat im Auftrag des Verbandes das Material für die deutschen Olympia-Bobs entwickelt. Nach dem schlechten Abschneiden ist es in die Kritik geraten. „Ich habe immer gut mit dem FES zusammengearbeitet, habe das Material immer getestet und war stets daran interessiert, dass Deutschland konkurrenzfähig bleibt“, sagte der Bayer. Doch im innerdeutschen Konkurrenzkampf sei es aus seiner Sicht legitim, wenn man selbst Initiative entwickele und eigene Materialforschung betreibe. Zumal es keine verpflichtende Zusammenarbeit mit dem FES gebe. Daher verstehe Machata auch die Reaktion von Jacobus nicht. Bislang habe sich bei ihm niemand vom Verband nach den Hintergründen erkundigt.

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