Sport : ... und bald ist WM

Lena Dürr galt als ewiges Ski-Talent, jetzt siegt sie – vielleicht gerade noch rechtzeitig.

Elisabeth Schlammerl
Abgefahren. In Moskau holte die 21-jährige Dürr ihren ersten Weltcupsieg. Foto: AFP
Abgefahren. In Moskau holte die 21-jährige Dürr ihren ersten Weltcupsieg. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Es muss ja nicht gleich Champagner sein, aber ein kleines Dankeschön ist wohl fällig nach dem bisher schönsten Tag in der Weltcup-Karriere von Lena Dürr. Die 21-Jährige vom SV Germering sorgte mit ihren ersten Weltcupsieg für die große Überraschung beim Parallelslalom am Dienstagabend in Moskau, aber es war nicht selbstverständlich, dass sie dort überhaupt startete. Denn eigentlich hatten sich vom deutschen Team aufgrund der Platzierungen im Slalom- respektive Gesamtweltcup nur Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg qualifiziert. Die beiden verzichteten allerdings wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Schladming auf die Reise. Lena Dürr rückte wie Christina Geiger nach und nutzte die unverhoffte Chance. „Ich habe zwar gedacht: Jeder kann hier was reißen, aber ich hatte noch nicht mal den Start trainiert.“

Beim zweiten City-Event des Winters fehlten zwar neben Höfl-Riesch und Rebensburg noch andere Topläuferinnen, aber die Besten in diesem Wettbewerb waren dabei. Dürr schaltete im Halbfinale das amerikanische Slalom-Wunderkind Mikaela Shiffrin aus und bezwang im Finale immerhin die Siegerin von München, Veronika Velez-Zuzulova aus der Slowakei. „Das gibt natürlich Selbstvertrauen für die WM“, sagte Dürr. „Ich habe gewusst, was ich kann, und bin auf Angriff gefahren.“

Das hat sie allerdings in dieser Saison bisher viel zu selten gezeigt. Nach einer sehr guten Vorbereitung, aber etwas holprigem Start schien sie sich Anfang Dezember stabilisiert zu haben. Sie wurde Sechste im Slalom von Aspen und in der Superkombination von St. Moritz. Aber dann schwächte sie ein Virus. Lena Dürr nahm sechs Kilogramm ab und fiel, wie der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), Wolfgang Maier, sagt, „in ein körperliches Loch, von dem sie sich nie richtig erholt hat“.

Die Tochter des ehemaligen deutschen Abfahrers Peter Dürr hatte schon früh großes Talent in allen alpinen Disziplinen gezeigt und als erste DSV-Athletin seit Maria Riesch die Gesamtwertung im Europacup gewonnen. „Sie hat ein super Skigefühl, ist schlau und hat eine hohe Rennintelligenz“, sagt Cheftrainer Tom Stauffer. Lena Dürr sollte deshalb als Allrounderin aufgebaut werden mit Starts in allen fünf Wettbewerben. „Aber wir hatten uns die Entwicklung ein bisschen einfacher vorgestellt“, gibt Alpindirektor Maier zu. Zunächst bremste die Schule. Lena Dürr absolvierte ihr Abitur in Germering, an einem Gymnasium, das nicht zu den Eliteschulen des Wintersports gehört und deshalb kaum individuelle Betreuung leisten konnte. Dürr verzichtete im Weltcup zunächst auf die schnellen Disziplinen. Erst in der vergangenen Saison, nach bestandenem Abitur, forcierte sie den Super-G wieder.

Eigentlich ist Lena Dürr keine Athletin, die hadert, wenn sie mal ausscheidet oder Fehler macht. Aber in diesem Winter häuften sich die Negativerlebnisse, es fehlte irgendwann die Lockerheit. „Ein Erfolgserlebnis hilft manchmal“, sagt Maier. „Die Füße bewegen sich dann wieder leichter.“ Am kommenden Dienstag beginnt die Weltmeisterschaft in Österreich. Keine schlechten Aussichten. Elisabeth Schlammerl

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