Sport : "... und was ist mit Hitzfelds Kettenhund?"

Jürgen Friedrich[der Vorstandsvorsitzende de]

Robert Wieschemann (63) ist Rechtsanwalt und steht seit 1998 dem Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern vor.

Jürgen Friedrich, der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern, hat nach dem aggressiven Spiel gegen Bayern München erklärt, "dass wir nach wie vor unterstützen, dass sich unsere Zuschauer einbinden". War das eine Drohung?

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Das ist überhaupt keine Drohung. Einbinden bedeutet auch nicht, dass wir die Fans beeinflussen. Aber wir erwarten, dass die Zuschauer am Betzenberg unsere Mannschaft unterstützen, wenn sie kämpft. Klar ist aber auch, dass die Spieler gnadenlos ausgepfiffen werden, wenn sie mal nicht kämpfen.

Dann muss man also weiterhin damit rechnen, dass gegnerische Spieler wie der Münchner Thorsten Fink nach dem Spiel mit Bier überschüttet werden.

Das hatte nichts mit den Zuschauern im Stadion zu tun. Keiner billigt diese Entgleisung. Ein paar Fans fühlten sich provoziert, weil das Tor von Pettersson nicht gegeben wurde. Aber ich betone: Das ist nicht zu billigen.

Ist es zu billigen, dass der Stadionsprecher den Lauterer Grammozis mit Dank verabschiedete, nachdem der die Gelb-Rote Karte erhalten hatte?

Ganz sicher wollte niemand das böse Foul billigen, das zur ersten Gelben Karte geführt hatte. Die Zuschauer haben die kämpferische Leistung von Grammozis insgesamt belohnen wollen. Ich finde diesen Applaus durchaus verständlich. Die Zuschauer sind eben emotional, und sie sollen es auch sein.

Wo liegt denn die Grenzen des Vertretbaren?

Wenn jemand von außen versuchen würde, die Zuschauer aufzupeitschen. Aber das macht bei Kaiserslautern niemand, unter keinen Umständen. Die Fans reagieren so, wie sie gerade empfinden. Das ist auch in Ordnung. Und, eins muss ich jetzt auch noch sagen: Die ganze Aufregung der Bayern kam doch nur, weil die zwei Punkte verloren haben. Für die ist der Titel ja jetzt fast weg. Wenn die gewonnen hätten, wäre doch über dieses Spiel kaum gesprochen worden.

Bayerns Manager Hoeneß spricht aber übers Spiel. Und er beklagt, Lauterer Funktionäre würden die Fans aufstacheln.

Das ist völliger Unsinn. Wir haben die Bayern in unserer Fan-Zeitschrift sehr freundlich begrüßt, das kann jeder nachlesen. Wir haben wirklich gar nichts vor oder während des Spiels getan, um die Stimmung aufzuheizen. Im Gegenteil. Für uns ist Bayern eine bewundernswerte Mannschaft. Aber, bitte, natürlich wollen wir gegen sie gewinnen, das ist ja wohl normal im Sport.

Lauterns Trainer Andreas Brehme rennt permanent zum Linienrichter, um ihn zu beschimpfen. Das könnte man durchaus als Aufwiegeln der Fans betrachten.

Also wissen Sie, die Bayern-Spieler sind bei jeder Entscheidung gegen ihre Mannschaft auf den Schiedsrichter losgegangen. Wenn der sich das zehn Mal gefallen lässt, dann wiegelt man Fans auf, jedenfalls mehr, als wenn sich ein Trainer an der Seitenlinie aufregt. Und: Schauen Sie sich doch mal Herrn Hitzfeld, den Bayern Trainer, an und seinen Kettenhund, den Kotrainer Michael Henke. Die rennen auch ständig zum Linienrichter. Da darf sich der Hoeneß nicht wundern, dass der Kessel immer mehr aufgeheizt wird. Zur Beruhigung der Zuschauer trägt es auch nicht bei, wenn Manager sich ständig beim technischen Personal aufhalten.

Schiedsrichter-Sprecher Amerell hat gesagt: Zwischen halb vier und halb sechs am Samstag sind in der Bundesliga Leute, die sonst sehr normal sind, nicht mehr zurechnungsfähig. Fühlen Sie sich angesprochen?

Ja, klar. Da hat Herr Amerell völlig recht. Ich bin sehr leidenschaftlich, manchmal auch zu sehr, das tut mir hinterher immer Leid, und ich versuche seit längerem, diese Unart abzustellen. Aber, mit Verlaub, so etwas kommt auch in anderen Stadien vor. Wenn ich da an ein paar Auftritte von Uli Hoeneß oder Rudi Assauer denke, na ja...

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