...UND WIE VIEL SCHALKE STECKT NOCH IN MAGATH? : Ein Fall von Betriebsspionage

Ein kleines, verräterisches Wort hat es durch seine kühle Fassade geschafft. Als Felix Magath erklären soll, ob Schalkes Champions-League-Triumph bei Inter Mailand das Team denn nun weiter beflügele oder den Blick für den Bundesliga-Alltag benebele, kam er ein wenig durcheinander und sagte: „Nach guten Partien in der Champions League hatten wir immer eine schlechte.“

Wir?
Was sich bis zum 16. März noch auf Schalke bezog, hat seit dem 18. März für den VfL Wolfsburg Gültigkeit. Wahrscheinlich muss sich selbst ein so erfahrener und nüchtern agierender Mann wie Magath zusammenreißen, wenn er bei dem heutigen Duell der beiden Klubs vor der Frage steht, ob denn nun die linke oder die rechte Kabinentür die richtige ist.

Das jüngste Wechselspiel des Felix Magath macht eine Form von sportiver Spionage möglich, die es in dieser Form in der Bundesliga noch nicht gegeben hat. „Ich gebe alles, was ich über die Schalker Spieler weiß, an meine Mannschaft weiter“, sagt Magath und versteht nicht die Aufregung darüber , ob dieser Umgang mit Betriebsgeheimnissen nicht verboten gehört. In Magath steckt vor allem deshalb noch so viel vom und über den FC Schalke, weil der Wechsel erst drei Wochen zurück liegt.

Das Gefühl, einen Vertrauten verlassen zu müssen und ihm später als Gegner erneut zu begegnen, ist keinem in der Bundesliga so nah wie Magath. „Ich bin es gewohnt, gegen Vereine zu spielen, die ich früher mal trainiert habe“, sagt der frühere Übungsleiter mit Stationen in Hamburg, Nürnberg, Bremen, Frankfurt am Main, Stuttgart, München, Wolfsburg und Gelsenkirchen. Selten hat man Magath dort, wo er sich mit seiner kühlen Art verabschiedet hat, noch lange geliebt. Vor dem Duell zwischen Schalke und Wolfsburg gab es ein letztes kurzes Telefonat zwischen dem Cheftrainer und seinem langjährigen Assistenten Seppo Eichkorn. „Damit ist eine Trennung vollzogen, und jeder geht seinen Weg“, berichtet Magath.

Die Wehmut über eine schöne Schalker Zeit hat im Fall von Magath das Duell mit seiner Verbitterung verloren. „Wer ein bisschen normal denkt“, sagt Magath mit ernstem Gesicht, „der weiß, dass ich erfolgreich war.“ Sätze wie diese verraten, dass sich hier einer am Ende doch ungerecht behandelt gefühlt hat und große Lust verspürt, sich auf seine Art zu revanchieren. „Durch die Kurzfristigkeit der Ereignisse bin ich noch etwas zu nah an Schalke dran“, gesteht Felix Magath ganz freimütig.

Christian Otto,Wolfsburg

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