0:0 gegen Bayern München : Gelungener Einstand für HSV-Coach Josef Zinnbauer

Unter ihrem neuen Trainer erreicht eine konzentrierte HSV-Mannschaft ein 0:0 gegen den FC Bayern, der einige Stars schonte. Der Meister machte es den zuletzt kriselnden Hamburgern dabei sehr leicht, gut auszusehen.

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Prominenter Gegner zum Einstand: Der neue HSV-Coach Josef Zinnbauer (l.) und Bayern-Trainer Pep Guardiola . Foto: dpa
Prominenter Gegner zum Einstand: Der neue HSV-Coach Josef Zinnbauer (l.) und Bayern-Trainer Pep Guardiola .Foto: dpa

Ein paar Umarmungen mit den Kollegen vom Trainerteam vor der Bank, dann verschwand Josef „Joe“ Zinnbauer rasch in die Kabine. „Ich wollte den Jungs gleich etwas sagen und damit nicht warten“, sagte Zinnbauer rasch. Was, das blieb unter ihnen.

Aber der neue Trainer des Hamburger SV wird an Lob nicht gespart haben: Das 0:0 am Samstagnachmittag gegen den FC Bayern darf getrost als guter Start unter dem dritten Trainer in diesem Kalenderjahr verbucht werden. „In unserer Situation ist der Punkt enorm wichtig. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und darauf können wir aufbauen. Ich möchte meinem Vorgänger Mirko Slomka danken, denn die Mannschaft ist topfit und hat Meter gemacht ohne Ende. Das ist seine Arbeit“, sagte Zinnbauer. Diese Aussage hatte Stil.

Seine Spieler waren als erster Bayern-Gegner der Saison ohne Gegentor geblieben. Sie hatten sich mit allem gewehrt, was ihnen zur Verfügung stand. Zumindest das ist Zinnbauer in seinen drei Tagen als neuer Cheftrainer des HSV gelungen: Er hat die Mannschaft hinter sich gebracht. Und sie hatte sogar die Chance auf mehr – doch Lewis Holtbys Schuss kurz vor Schluss ging über das Tor. Ein Sieg wäre allerdings auch zu viel des Guten gewesen gegen eine Bayern-Mannschaft, die zwar überlegen, aber nicht besonders inspiriert wirkte.

Ihr Coach Pep Guardiola hatte im Laufe der zweiten auf die schwache erste Halbzeit reagiert und der Reihe nach Mario Götze, Xabi Alonso und Robert Lewandowski eingewechselt. So wollte er den Sieg erzwingen. Doch der Hamburger Sportverein kämpfte aufopferungsvoll und hatte im ehemaligen Berliner Jaroslav Drobny einen Torwart, der jederzeit auf der Höhe war. So wird es für René Adler nahezu unmöglich, zurück ins Tor zu kehren.

„Wir hatten drei, vier gute Szenen, mehr aber nicht. Wir hatten es heute nach dem Champions-League-Spiel am Mittwoch schwer gegen einen aggressiven Hamburger SV. Es wird noch bis Dezember dauern, ehe wir in Topform sind“, sagte Guardiola.

Die Hamburger Fans waren glücklich, der neu zusammengestellten Mannschaft langanhaltenden Applaus spenden zu dürfen. Am Mittwoch in Gladbach und am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt steht Zinnbauer nun vor einer für alle Hamburger Mannschaften der Neuzeit schweren Prüfung: Einer ordentlichen Leistung eine ebensolche folgen zu lassen. Holtby sagte: „Heute ist jeder für jeden gelaufen. Das ganze darf keine Eintagsfliege sein. Wir müssen demütig bleiben.“ Gelänge das, etwa mit einem Punkt im Westen und dreien gegen die Hessen, säße der 44 Jahre alte Franke relativ sicher auf dem Hamburger Trainerstuhl.

Zinnbauer hatte in seinen wenigen Trainingseinheiten seit Jobbeginn am Dienstag vor allem Übungen zur Stärkung der Gemeinschaft angeboten und in einigen Ansprachen auch davor nicht zurückgeschreckt, bekannte Namen anzugreifen. So hatte er Valon Behrami in einer Einheit vorzeitig zum Duschen geschickt, weil ihm sein Einsatz nicht genügte. Trotzdem stand der Schweizer am Samstag in der Startelf – und wurde zum überragenden Akteur. „Wie Behrami gerannt ist, wie er angeschoben hat, das war sensationell“, lobte Zinnbauer.

Als guter Motivator gilt Zinnbauer ohnehin, und offenbar war es ihm gelungen, seine Mannschaft auf die große Aufgabe einzuschwören. Hatten einige Profis im Kader Zinnbauers Vorgänger Mirko Slomka zuletzt noch die Gefolgschaft gekündigt, wirkte Hamburg an diesem sonnigen Nachmittag wie eine Einheit. Auch Zinnbauers Wechsel waren keine Verlegenheitslösungen, sondern wirkten situativ überzeugend. Er sagte: „In den vergangenen Tagen ist ein neuer Teamgeist entstanden. Der hat uns heute getragen, als wir müde wurden.“ Teamgeist – das hatte es in den vergangenen Monaten überall gegeben, nur nicht beim HSV.

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