0:0 gegen den HSV : FC Bayern: Serie ohne Fortsetzung

Remis gegen den Hamburger SV: Die angekündigte Aufholjagd der Bayern ist nach dem 0:0 in Hamburg schon wieder ins Stocken geraten.

Frank Heike[Hamburg]
Zu wenig. Die Bayern-Spieler warten in der Liga auf die Siegesserie.
Zu wenig. Die Bayern-Spieler warten in der Liga auf die Siegesserie.Foto: dpa

Genau so war es wohl geplant: schmucklos spielen, sicher stehen, und den Gegner am Ende mit einem Kontertor frustrieren – beinahe wäre das dem FC Bayern München ja auch gelungen am Freitagabend in Hamburg. „Wir waren am Ende frischer als der HSV“, sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos, und sein Trainer Louis van Gaal meinte: „Ich finde, wir hätten gewinnen können, die letzte Viertelstunde waren die Hamburger müde.“ Weil die Bayern aber zwei, drei aussichtsreiche Spielzüge kurz vor dem Tor nicht zu Ende spielten, war das 0:0 ein gerechtes Resultat.

Zu laut klagen wollten die Münchner auch lieber nicht über das torlose Remis, denn die beste Chance des Abends hatte der Hamburger Pitroipa in der 81. Minute vergeben. „Macht er den rein, gewinnen wir hier“, sagte der Hamburger Trainer Armin Veh. Stattdessen schoss Pitroipa den Ball an den Pfosten. Den zarten Bayern-Aufschwung mit den Siegen gegen Hannover 96 und Cluj in der Champions League hätte ein Hamburger Sieg gleich wieder beendet. Das 0:0 gab da schon ein wenig mehr Anlass, das Gute im Mittelmäßigen zu sehen. „Ich fand, dass der Ball ganz ordentlich lief und wir wenig zugelassen haben“, sagte Kroos.

Der eingeplante Sieg im Norden aber war ausgeblieben. Eigentlich wollte der Deutsche Meister damit eine Serie starten. Aber wenn es ans Kreative, an das ideenreiche, schnelle, verwirrende Spiel geht, stößt dieser FC Bayern anders als in der vergangenen Rückrunde an seine Grenzen. Auf dem Weg nach vorn spielten die Münchner beim HSV auf ähnlichem Niveau wie zuletzt Nürnberg oder Kaiserslautern – mit dem Unterschied, dass sie ohne Tor blieben und bei kümmerlichen acht Treffern verharren. Mario Gomez war nach dem Aufschwung der letzten beiden Spiele wieder ganz der Alte und fand überhaupt nicht ins Zusammenspiel mit Kroos, Thomas Müller oder Altintop. Robben und Ribéry fehlen eben an allen Ecken und Enden. Sie lassen einen biederen FC Bayern zurück, dem auch die fiese Bissigkeit des ebenfalls verletzten Mark van Bommel abgeht. Man könne es nicht ändern, sagte van Gaal: „Wir haben nur noch 14 Spieler und müssen alle drei Tage ran“, sagte er und rechnete gleich noch mit den Frankfurter Programmplanern ab. „Toll, dass die DFL es schafft, uns nach dem Pokalspiel gegen Bremen am Dienstag gleich wieder am Freitag spielen zu lassen“, sagte er mit ätzendem Humor.

Die Debatte um Größe und Qualität des Münchner Kaders dürfte in dieser Woche wieder an Fahrt aufnehmen – selbst wenn Ivica Olic mit seinem Nasenbeinbruch zurückkehrt und Diego Contento ebenfalls bald wieder da ist, denn die Bankbesatzung hört plötzlich auf Namen wie Jüllich und Knasmüllner. Der verehrte ehemalige Trainer Ottmar Hitzfeld bereicherte die Diskussion aus der Ferne des Fernsehstudios schon mal mit dem Hinweis, der FC Bayern hätte Zugänge im Sommer dringend benötigt, um den Konkurrenzkampf wieder zu entfachen – als hätte man die Verletztenmisere damals erahnen können.

Die kleinen Sieger des Abends hießen Timoschtschuk und Butt – der eine war meistens schneller als Ruud van Nistelrooy, der andere überzeugte an alter Wirkungsstätte mit seiner stoischen Ruhe und, bei Bedarf, mit raschen Reflexen. Die WM-Helden Schweinsteiger, Müller und vor allem Lahm nahmen abgesehen von zwei, drei lichten Momenten kaum Einfluss aufs Spiel, Schweinsteigers auffälligste Szene war unfreiwillig, als er den HSV-Torwart Frank Rost umrammte, der später am Knie verletzt das Feld verließ. Nährere Untersuchungen stehen noch aus, allerdings besteht bei ihm der Verdacht auf einen Innenbandriss. Der ehemalige Hertha-Torwart Jaroslav Drobny kam kurz vor der Pause zu seinem ersten Einsatz – doch mehr als zwei hohe Bälle abfangen musste er nicht.

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