0:0 gegen Wolfsburg : Hertha hält dicht

Erstmals seit dem ersten Spieltag punktet Hertha BSC wieder in der Bundesliga - gegen den Deutschen Meister VfL Wolfsburg gab es im Olympiastadion mit Rückkehrer Jaroslav Drobny immerhin ein torloses Remis.

Ingo Schmidt-Tychsen
Hertha BSC - VfL Wolfsburg
Mit Hand und Fuß. Herthas Arne Friedrich gegen Wolfsburgs Christian Gentner.Foto: ddp

In der Ostkurve des Olympiastadions, dort, wo die treuesten Hertha-Fans stehen, hatte sich am Sonntag ein schwarzer Block formiert. Etwa 200 Anhänger trugen schwarz statt blau-weiß und feuerten Hertha BSC nicht an – im Gegensatz zu einem Großteil der Ostkurve, der wie gewohnt Stimmung machte. Der Fankern wollte endlich eine bessere Leistung ihrer in der Bundesliga achtmal in Folge geschlagenen Mannschaft sehen. Zumindest in Teilen bekamen die Fans, wonach sie verlangt hatten: Erstmals seit dem ersten Spieltag am 8. August holten die Berliner vor 36 799 Zuschauern mit dem 0:0 gegen den VfL Wolfsburg wieder einen Punkt. Trotzdem steht Hertha weiterhin abgeschlagen am Tabellenende.

Im Hinblick auf die Tabelle bringt der Punkt vom Sonntag Hertha nicht voran, viel wichtiger war es für die Berliner zu sehen, dass sie noch mithalten können in der Bundesliga. „Wir sind auf dem Weg. Das Team hat kapiert, worauf es ankommt“, sagte Trainer Friedhelm Funkel. Und Kapitän Arne Friedrich glaubte, „dass die Punkte schon kommen werden, wenn wir so weiterspielen“.

Cicero aus dem Kader gestrichen

Funkel hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Spiel in der Europa League gegen den SC Heerenveen am vergangenen Donnerstag (0:1) auf vier Positionen verändert: Für Burchert, Bigalke, Wichniarek und Cicero rückten Drobny, Dardai, Raffael und Kacar in die Startformation. Der Trainer machte seine Drohung wahr, Spieler wegen schlechter Leistungen aus dem Kader zu streichen – der Brasilianer Cicero durfte nicht einmal auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Sein zum wiederholten Male umgebautes Team ließ Funkel in einem dynamischen System auflaufen, in dem Gojko Kacar zwischen Angriff und Mittelfeld pendelte. Schon nach 44 Sekunden hätte der stürmende Kacar die Führung erzielen können. Ramos hatte sich mit viel Elan auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchgearbeitet und nach innen gespielt – Kacars Schuss aber ging drüber.
Hertha blieb danach weiterhin bissig, nach zehn guten Minuten schlichen sich aber bereits wieder erste Abspielfehler in das Berliner Spiel. Raffael machte dabei mit seinen zu lässigen Pässen und einfachen Ballverlusten besonders auf sich aufmerksam. In der 12. Minute hätte einer dieser Bälle beinahe zum 0:1 geführt. Raffaels Zuspiel auf Dardai blieb in den Füßen des Wolfsburger Mittelfeldes hängen, den rasanten Konter über Ashkan Dejagah brachte Obafemi Martins aus Nahdistanz im Tor unter, jedoch hatte er knapp im Abseits gestanden. Danach wurde das Tempo der Begegnung erst einmal langsamer. Trotzdem kamen beide Mannschaften noch zu Chancen. Zuerst kam Kacar nach einer langen Flanke Patrick Eberts kurz vor dem Fünfmeterraum an den Ball. Seinen Kopfball-Aufsetzer hätte Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio dann allerdings auch mit der Brust stoppen können. Kurz darauf verfehlte Dejagah aus Nahdistanz nur knapp das Tor. Zur besten Möglichkeit kam Hertha in der 38. Minute: Nach einer verunglückten Ecke der Berliner schnappte Raffael sich den Ball und marschierte an der Wolfsburger Abwehr vorbei. Mit dem linken Vollspann schoss Raffael, VfL-Torhüter Benaglio parierte mit dem Fuß.

Es hätte einen Elfmeter für Wolfsburg geben können

Kurz vor der Halbzeit hätte es dann einen Elfmeter für Wolfsburg geben können. Arne Friedrich hatte im Strafraum in einen Freistoß von Misimovic gegriffen. Schiedsrichter Lutz Wagner ließ das Spiel weiterlaufen. Kurz darauf pfiff er zur Halbzeit, die aus Herthas Sicht sicher eine der besten seit langem gewesen war. Selbst der schwarze Block applaudierte freundlich.
Dejagah leitete die erste Chance in der zweiten Hälfte ein. In zentraler Position vor Herthas Strafraum setzte er sich gegen vier (!) Berliner durch und spitzelte den Ball in den Lauf von Edin Dzeko, der aus spitzem Winkel draufhielt. Der lange verletzte und vermisste Drobny konnte sich zum ersten Mal auszeichnen. Mit hochgerissenen Armen wehrte er ab. „Jaroslav“ rief der Stadionsprecher, „Drobny“ antworteten die Fans. Drobny hatte bei seinem Comeback nach fünf Wochen mit Schmerzen gespielt: Während der Partie musste er sich sogar übergeben.

Der Deutsche Meister blieb in der zweiten Halbzeit dominant, erspielte sich aber kaum Tormöglichkeiten. „Wir hatten mehr Ballbesitz, mit etwas mehr Ruhe wären wir auch zu mehr Chancen gekommen“, sagte der Wolfsburger Trainer Armin Veh. Fünf Minuten vor dem Ende hatte Ramos dann sogar das Siegtor für Hertha auf dem Fuß. Er hechtete in einen Freistoß Raffaels, der Ball aber landete nur am Außenpfosten. Die Fans in der Ostkurve raunten – auch der schwarze Block.

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