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0:0 im Revierderby gegen Schalke : Borussia Dortmunds kleine Herbstdepression

Es hätte ein bisschen mehr sein dürfen. Vor allem mehr Tore. Das 0:0 im Revierderby nützt Schalke mehr als Dortmund.

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Keiner will in die Knie gehen. Schalkes Geis (links) und Dortmunds Götze im Kampf um den Ball
Keiner will in die Knie gehen. Schalkes Geis (links) und Dortmunds Götze im Kampf um den BallFoto: Reuters

Ho, ho, ho! Christian Heidel hörte sich an wie der Weihnachtsmann. Die Anfahrt zum ersten Revierderby seiner Managerkarriere? „Ho, ho, ho“, sagte Heidel. Das sei schon ein besonderes Gefühl gewesen, als aus der Menge Eier gegen die Scheibe des Mannschaftsbusses geflogen seien. Bei dem Gedanken daran, schien Schalkes Manager Heidel immer noch ganz froh zu sein, dass er nicht in der offenen Kutsche in Dortmund vorgefahren war. Im Großen und Ganzen aber hat es bei den Derbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 schon schlimmere Verwerfungen gegeben. Dazu passte auch das Endergebnis. Als Schiedsrichter Felix Brych die Partie abpfiff, setzte im ausverkaufen Dortmunder Stadion ein Moment unwirklicher Stille ein – als müssten alle Beteiligten noch kurz darüber nachdenken, was sie mit diesem 0:0 anfangen sollten.

Nüchtern betrachtet war das Derby beim Anpfiff am Samstagabend das Duell des Tabellenachten gegen den Vierzehnten. Und der Unterhaltungswert entsprach in der ersten Hälfte exakt der Tabellenkonstellation, Torchancen waren rar, wenigstens ging es intensiv zur Sache. Nach fünf Minuten grätschte der Schalker Sead Kolasinac seinen Gegenspieler Christian Pulisic an der Seitenlinie ohne jede Notwendigkeit zu Boden. Derby kann wehtun, muss es manchmal auch. Als Pulisic wieder auf den Beinen war, reckte Kolasinac seinen Daumen in die Höhe. „Für so einen Spielertypen sind Derbys perfekt“, sagte Heidel über seinen Linksverteidiger. „Der genießt das.“
Zur Folklore eines Derbys gehört auch die Provokation der jeweils anderen Seite. Mitte der ersten Halbzeit präsentierten die Dortmunder Ultras auf der Südtribüne eine überdimensionale Patchwork-Decke aus mutmaßlich gestohlenen Schalker Zaunfahnen, die nach ihrer öffentlichen Zurschaustellung in Fetzen gerissen wurde. Da lacht dann das kindliche Ultra-Herz. Das Spiel der Dortmunder Mannschaft trug zu diesem Zeitpunkt nicht gerade zur Erheiterung bei. „Wir hatten große Probleme in der ersten Halbzeit, von Beginn weg“, sagte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel. „Wir haben uns immer wieder selber in kritische Situationen gebracht.“

Während beim BVB Pierre-Emerick Aubameyang rechtzeitig zum Derby wieder fit geworden war, mussten die Gäste auf ihren besten Derby-Torschützen Klaas-Jan Huntelaar verzichten. Der Holländer fällt wegen einer Sprunggelenksverletzung mehrere Wochen aus. Trotzdem wirkten die Schalker zu Beginn reifer, klarer in ihrem Spiel. Max Meyer wurde nach zwei Minuten im Dortmunder Strafraum gerade noch geblockt, nach einer guten Viertelstunde rettete Lukasz Piszczek mit einer Grätsche gegen Franco Di Santo. Mit viel gutem Willen hatten die Schalker also wenigstens zwei halbe Chancen gehabt. Die Dortmunder hingegen spielten in der ersten Hälfte, als wäre der Schalker Strafraum eine Sperrzone, die nur mit amtlich beglaubigtem Passierschein betreten werden durfte. „Wir haben die Lösung nach vorne nicht gefunden“, sagte Torhüter Roman Bürki.

Dass für den BVB in der ersten Halbzeit kein einziger Torschuss registriert wurde, „das spricht für uns“, sagte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes. „Anscheinend haben wir einen guten Job gemacht.“ Das taten die Gäste auch nach der Pause. Da auch die Dortmunder deutlich zulegten, wurde das Spiel erheblich aufregender. Gleich nach Wiederanpfiff hatten die Gäste die erste Chance, als Kolasinac nach einem feinen Konter Pulisic davonlief, mit seinem Versuch aber an Bürki scheiterte.

Erst in der 53. Minute kamen die Gastgeber zu ihrem ersten Torschuss: Ousmane Dembéle traf aus kurzer Distanz die Latte. Die Dortmunder wurden nun dominanter, hatten weitere gute Chancen durch Mario Götze und Pulisic, den Kolasinac mit dem Ball gerade noch vor der Linie weggrätschte. Der Bosnier feierte seine Rettungstat, als hätte er selbst das entscheidende Tor erzielt. Immerhin trug er entscheidend dazu bei, dass die Schalker das 0:0 über die Zeit retteten und nun wettbewerbsübergreifend sieben Spiele ungeschlagen sind. „Man sieht, dass wir dabei sind, das Ding zu drehen“, sagte Manager Heidel. „So langsam setzt sich das Puzzle zusammen.“

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