0:0 in Köln : Auch Bremen spielt für Bayern

Nach den anderen Spitzenteams - außer dem FC Bayern - kommt auch Werder Bremen nicht über ein Unentschieden hinaus: 0:0 in Köln. Der Rekordmeister aus München profitiert in der Tabelle von der Schwäche der Konkurrenz.

Jörg Strohschein[Köln]

Es war ein versöhnlicher Nachmittag im Kölner Stadion. Nicht nur das torlose Unentschieden gegen den haushohen Favoriten Werder Bremen hatte dafür gesorgt, dass die Anhänger des 1.FC Köln wieder den Glauben an ihre Mannschaft zurückgewonnen haben. Die Mannschaft hatte versucht, durch erhöhte, kollektive Einsatzbereitschaft den Eindruck zu verwischen, eine Ansammlung egoistischer Spieler zu sein. Zumindest das gelang den Rheinländern. Die Bremer, die auch im 23. Pflichtspiel in Folge ungeschlagen blieben, trugen mit ihrer leicht überheblichen Spielweise allerdings dazu bei.

Zumindest in diesem Heimspiel hatten die Kölner die Hinweise ihres Trainers offenbar ernst genommen. Zunächst einmal solle der Kampf im Vordergrund der Bemühungen stehen hatte Zvonimir Soldo als Devise ausgegeben. Nach den desaströsen Heimauftritten gegen Hannover 96 und 1899 Hoffenheim in den Vorwochen sollte dies das einzige der ohnehin beschränkten Mittel der Rheinländer sein, die bemerkenswerten spielerischen Qualitäten der Hanseaten in den Griff zu bekommen. Immerhin rund 15 Minuten schienen die Bremer auch Probleme mit den engagierten Kölnern zu haben. Die Mannschaft von Thomas Schaaf spielte ungewöhnlich verhalten. Vielleicht mussten sie die Spieler erst einmal daran gewöhnen, das sowohl Tim Wiese als auch Mesut Özil mit Grippe ausfielen. Für Wiese spielte der 20 Jahre alte Sebastian Mielitz.

Die Kölner verpassten es allerdings, die Verunsicherung ihres Gegners zu nutzen. Gerade einmal drei Tore hatten sie in den Vorwochen produziert. Und weshalb diese Ausbeute so ungenügend ist, machte Milivoje Novakovic einmal mehr sehr deutlich. Nach der sehenswerten Vorarbeit von Lukas Podolski, der ansonsten blass blieb, verfehlte der Angreifer völlig freistehend aus zwei Meter Entfernung zur Überraschung aller 50.000 Zuschauer im Stadion das Bremer Tor.

Im Anschluss an diese aus Kölner Sicht haarsträubende Szene gaben die Bremer ihre Zurückhaltung auf und übernahmen die Spielkontrolle. Doch trotz aller spielerischer Vorteile fehlte ihnen die Überzeugung, einen Treffer zu erzielen. Vor allem Marko Marin brachte viel Schwung ins Bremer Spiel und stellte die Kölner Verteidigung mit seinen Sololäufen vor enorme Probleme. Doch seine Kollegen wirkten zu unkonzentriert im Torabschluss oder scheiterten an Thomas Kessler, der für den verletzten Torhüter Faryd Mondragon im Tor stand. Glück hatten die Kölner zudem, dass Schiedsrichter Jürgen Drees nach einem Zweikampf zwischen Marin und Youssef Mohamad nicht die rote Karte zog. Der ohnehin nervöse Mohamad griff zu einer Notbremse, nachdem er den Ball vertändelt hatte.

Den Rheinländern gelang es zumindest, über weite Strecken als ebenbürtiger Gegner zu erscheinen, was sie bereits als Fortschritt werten dürften. Und Milivoje Novakovic hätte dieses Bild auch in der zweiten Hälfte noch verfeinern können. Doch erneut versagten ihm die Nerven, als er nach einem Konter völlig allein vor dem Bremer Tor den heraus stürmenden Mielitz anschoss.

Ansonsten veränderte sich das Bild auch in der zweiten Hälfte nicht. Die Bremer rannten an und erspielten sich einige Chancen gegen die wacker kämpfenden Kölner, ohne sich durchsetzen zu können. Und zumindest in Sachen Leidenschaft waren die Gastgeber den Hanseaten an diesem Nachmittag überlegen.

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