0:1 gegen Bochum : HSV verliert an Substanz

Ein müder Hamburger SV unterliegt im Sonntagsspiel zu Hause überraschend dem VfL Bochum 0:1 und kann in der Tabelle gegenüber den anderen Spitzenklubs nicht nachziehen.

Frank Heike[Hamburg]
Hamburger SV - VfL Bochum Foto: dpa
Bochum vor! Hier Joel Epalle vor dem Hamburger Joris Mathijsen.Foto: dpa

Es fehlte ja nicht einmal am Einsatz, am Willen oder am Kampfgeist. Aber diese Hamburger Mannschaft wirkte am Ende so müde, die Beine schienen bleischwer, dass bei den wenigen aussichtsreichen Szenen der letzten Minuten einfach niemand mehr an den Ball kam. Sogar Torwart Frank Rost war mit nach vorn geeilt, als der letzte hohe Ball in den Bochumer Strafraum segelte – doch Robert Tesche schaute dem Spielgerät nur nach, anstatt zum Kopfball hochzusteigen. Rost meckerte, schüttelte den Kopf. Wenig später war die 0:1-Niederlage der Hamburger durch ein Tor von Dennis Grote gegen den äußerst zahmen VfL Bochum besiegelt, und der HSV hatte sich die zweite Heimpleite nacheinander eingefangen. Für den VfL war es der erste Sieg unter dem neuen Coach Heiko Herrlich. „Die Spieler haben sich gegenseitig geholfen, das hat mir gut gefallen. Am Ende haben wir uns selbst belohnt“, sagte er nachher.

Die durch viele Verletzte geschwächte Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia ist nun seit fünf Ligaspielen sieglos und entwickelt sich zum idealen Aufbaugegner für vermeintliche Abstiegskandidaten – vor zwei Wochen hatte der HSV gegen Gladbach verloren. Der Substanzverlust lässt sich nicht mehr leugnen in diesem ausgedünnten Kader, der auf Führungsspieler wie Zé Roberto, Mladen Petric und Paolo Guerrero verzichten muss und am Sonntag auch noch eine Grippewelle im Kader verkraften musste. Frappierend ist vor allem die Ungefährlichkeit im Sturm: die jungen Tunay Torun und Tolgay Arslan spielten am Sonntagabend nur mit, der letzte Stürmer Marcus Berg war nach seiner Erkältung geschwächt und hatten kaum Einfluss aufs Spiel. „Uns hat heute die Durchschlagskraft im Sturm gefehlt. Wir waren nicht so konsequent im Abschluss, in ein paar Szenen hat uns das Glück gefehlt“, sagte Bruno Labbadia, „ich fand, wir haben 70 Minuten vieles richtig gemacht, aber unsere Chancen nicht genutzt.“ Hamburgs Trainer hat die Ausfälle nie beklagt, obwohl von seiner Wunschformation vom Sommer nicht mehr viel übrig geblieben ist – am Sonntag saßen zwei Spieler der zweiten Mannschaft auf der Bank.

Es begann ganz gut für den HSV mit Eljero Elias und Piotr Trochowskis Torchancen gegen Bochumer, die von der ersten Sekunde an allein auf Verteidigung aus waren. Nach ansprechendem Beginn schlief das Spiel der Hamburger aber regelrecht ein. Weder Trochowski noch Robert Tesche konnten das Spiel ankurbeln, die Präzision Zé Robertos im Aufbauspiel wurde vermisst. Trotzdem jubelten die Hamburger Fans einmal in der ersten Hälfte – Joris Mathijsen traf mit dem Kopf ins Bochumer Tor. Doch Schiedsrichter Günter Perl hatte vorher ein Foul Elias an Torwart Oliver Heerwagen gesehen. So gab es zur Halbzeit Pfiffe für den müden, ideen- und torlosen HSV, der in der besten Bochumer Szene noch Glück hatte, dass Stanislav Sestak freistehend übers Tor schoss.

Hätte Herrlichs Mannschaft etwas mehr Mut gehabt, hätte sie diesen hinten wackligen HSV durchaus schon vor dem Führungstreffer ärgern können. Beim beim Tor des Abends konnte Grote eine Viertelstunde vor dem Ende den Ball ins Tor schieben, weil die HSV-Abwehr schlief. Der Hamburger Plan scheint nun schon Mitte November durchkreuzt, sich irgendwie bis zur Winterpause durchzumogeln, ohne den Kontakt zur Spitze abreißen zu lassen.

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