0:1 gegen Cottbus : Lieblingsgegner Hertha

Der 1:0-Sieg im Olympiastadion ist für Energie Cottbus schon der siebte Sieg im elften Aufeinandertreffen mit Hertha BSC.

Sven Goldmann
Hertha - Cottbus
Energie Cottbus gewinnt das Berlin-Brandenburg-Derby im Olympiastadion mit 1:0. -Foto: ddp

Andrej Woronin ist ein echter Profi. Hält sich nicht lange mit Enttäuschungen auf, hakt Niederlagen schnell ab und richtet den Blick sofort nach vorn. Es gibt Wichtigeres als ein 0:1 gegen Energie Cottbus. Zum Beispiel das Trikot seines Gegenspielers. Herthas zweite Heimniederlage war gerade fünfzehn Sekunden alt, da hatte Woronin schon sein Leibchen mit dem des Cottbuser Kapitäns Timo Rost getauscht.

So ging der Leihspieler vom FC Liverpool nicht ganz leer aus, wenn es schon im Spiel mal wieder nicht gereicht hatte zum lang erwarteten ersten Saisontor. Auch mit Woronin bleibt Hertha der Cottbuser Lieblingsgegner. Der letzte Sieg über Energie liegt fünf Jahre zurück, ein Ende dieser Serie stand gestern nie zur Debatte. Ohne jedes Aufbäumen fügten sich die Berliner in ihr Schicksal. Schwerer noch wiegt, dass sie sich über 90 Minuten kaum eine Torchance herausspielten. 42297 Zuschauer im Olympiastadion ertrugen das klägliche Schauspiel mit bewundernswerter Geduld.

"Zehn Minuten gut gespielt"

Nun war Hertha nicht durchgehend ganz schlecht. Trainer Lucien Favre verwies trotzig auf „die ersten zehn Minuten, da hat die Mannschaft ganz gut gespielt“. Da hatte sogar Woronin das Führungstor auf dem Fuß, als er nach schöner Stafette über Raffael und Maximilian Nicu in den Strafraum dribbelte, zum Schuss ausholte und doch wieder einen Tick zu lang wartete, so dass noch ein Cottbuser dazwischen grätschte. Und noch ein Angriff sah den Ukrainer im Mittelpunkt, aber erstens stand er bei Ciceros Schuss weit im Abseits, zweitens nahm er seinem Angriffskollegen Marko Pantelic den Abpraller vom Fuß und jagte ihn drittens aus Nahdistanz gut zwei Meter über die Latte.

Cottbus genügte ein konstruktiver Angriff, um Hertha allen Mut und alle Kreativität zu nehmen. Erst ließ Branko Jelic auf halblinker Position gleich drei Berliner ins Leere laufen. Dann passte er hinaus auf den rechten Flügel, wo Stanislav Angelov Herthas Verteidiger Marc Stein auf zehn Metern vier abnahm und scharf in die Mitte flankte. Dort war Jelic in Position gelaufen und musste nur noch den Fuß hinhalten zum 1:0.

So einfach geht das, und so einfach ist auch der Rest des Spiels erklärt. „Die erste Halbzeit war eine Katastrophe, einfach erbärmlich“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich. Die zweite Halbzeit war nicht viel besser. Hertha hatte mehr vom Spiel, aber wie schon am Mittwoch beim Pokal-Aus in Dortmund fehlte die Leidenschaft, der unbedingte Wille, ein Spiel noch umzubiegen. Cottbus zog sich zurück und wartete auf Herthas Ansturm, aber der kam nicht.

Eindimensionale Bemühungen

Nun ist es nicht einfach, gegen eine auf totale Defensive eingeschworene Mannschaft einen Rückstand aufzuholen. Aber so etwas kommt zuweilen vor, und mit ein wenig Phantasie, mit Positions- und Tempowechseln lässt sich auch die hartnäckigste Abwehr ausspielen. „Die Mannschaft hat vollkommen den Kopf verloren“, klagte Trainer Favre und monierte „viel zu wenig Tempo, zu wenig Bewegung, zu viele technische Fehler“.

Hertha gefiel sich darin, ausschließlich mit Kurzpässen Richtung Strafraum zu navigieren, was spätestens an der Strafraumgrenze an einem der zahlreichen Cottbuser Abwehrbeine endete. Von derart eindimensionalen Bemühungen lässt sich auch ein Tabellenletzter nicht einschüchtern. Schon nach einer Stunde riefen die gut 3000 mitgereisten Cottbuser Fans „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“, und niemand aus der blau-weißen Belegschaft auf dem Rasen unternahm große Anstrengungen zum Widerspruch. Cicero prüfte zu Beginn der zweiten Halbzeit den Cottbuser Torhüter Gerhard Tremmel mit einem Fernschuss, Pantelic hatte noch eine halbe Torchance. Viel mehr war nicht, trotz permanenter Berliner Feldüberlegenheit.

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