0:1 gegen Hannover 96 : Borussia Dortmund: Es liegt nicht an den Trikots

Borussia Dortmund unterliegt trotz einer abergläubischen Maßnahme und einer Vielzahl eigener Torchancen gegen Hannover 96 0:1 und verschärft die eigene Krise in der Bundesliga.

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Die Borussia bröckelt. Hannovers Hiroshi Kiyotake zirkelt den Ball zum 1:0 über die Mauer des BVB. Ilkay Gündogan, Sven Bender, Pierre-Emerick Aubameyang und Adrian Ramos (von links nach rechts) springen vergeblich in die Luft.
Die Borussia bröckelt. Hannovers Hiroshi Kiyotake zirkelt den Ball zum 1:0 über die Mauer des BVB. Ilkay Gündogan, Sven Bender,...Foto: dpa

Was tut man nicht alles, um den Erfolg zu erzwingen? Borussia Dortmund, in der Bundesliga zuletzt chronisch schwächelnd, streifte vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 die leuchtend gelben Trikots über, in denen die Mannschaft in der Champions League von Erfolg zu Erfolg eilt. Für diese Maßnahme hatte Borussia Dortmund im Vorfeld der Partie extra einen Antrag bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gestellt. Intern wurde sogar darüber diskutiert, ob Stadionsprecher Norbert Dickel vor dem Spiel die Champions-League-Hymne anspielen soll, doch so weit wollten sie es im Revier mit dem Aberglauben dann nicht treiben. Doch beim BVB werden sie sich etwas anderes ausdenken müssen, um den Negativtrend in der Bundesliga zu beenden. Auch gegen die auswärts so harmlosen Hannoveraner gab es keine Punkte. Borussia Dortmund unterlag vor 80 667 Zuschauern im ausverkauften Dortmunder Stadion mit 0:1 (0:0) und bleibt das Team mit den zwei Gesichtern. Mittlerweile steckt der BVB mit sieben Punkten aus neun Spielen mitten im Abstiegskampf.

Im Vergleich zum eindrucksvollen 4:0-Sieg in Istanbul rotierte Jürgen Klopp und schickte Erik Durm, Ilkay Gündogan und Adrian Ramos für Sokratis, Sebastian Kehl und Shinji Kagawa aufs Feld. „Wir haben unsere Fehler erkannt“, sagte Dortmunds Trainer vor dem Anpfiff, „und es müsste eigentlich möglich sein, sie abzustellen.“ Hinten sicher stehen und die krassen individuellen Fehler beenden, lautete die Aufgabe laut Jürgen Klopp. Leichter gesagt als getan: In der sechsten Minute befand sich Lukasz Piszczek bei einem Einwurf für Hannover im Tiefschlaf, ließ seinen Gegenspieler Leonardo Bittencourt einfach an sich vorbeilaufen, der die kurze Ecke haarscharf verfehlte.

Borussia Dortmund erspielte sich eine erdrückende Feldüberlegenheit

Danach war es allerdings vorbei mit den Offensivbemühungen der Gäste. Dortmund erspielte sich eine erdrückende Feldüberlegenheit, das Geschehen spielte sich fortan nur noch in der Hälfte von Hannover ab. Mchitarjan eröffnete die Druckphase der Borussia mit einem Linksschuss, fortan gab es Chancen im Minutentakt zu bestaunen: Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang, Ramos – alle Offensivkräfte durften sich beim Toreschießen probieren, den Kopfball von Mats Hummels nach einem Eckball lenkte Hannovers Torhüter Ron-Robert Zieler reaktionsschnell an die Latte.

Die BVB-Führung schien nur eine Frage der Zeit zu sein, doch sie fiel nicht. Hannover gelang es nun besser, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten, immer öfter verhedderten sich die Spieler in Schwarz-Gelb in den beiden eng beieinanderstehenden Viererketten. Der BVB probierte viel, doch die Unsicherheit nach all den Rückschlägen in der Bundesliga war nun bis auf den letzten Tribünenplatz zu spüren.

„Sich gegen einen tief stehenden Gegner Chancen zu erarbeiten, gehört zu den größten Herausforderungen im Fußball“, hatte Klopp zuvor erklärt, wohlwissend, dass sich sein Team erneut mit dieser Aufgabe konfrontiert sehen würde. Anfang der zweiten Hälfte brach Reus halblinks durch, drosch den Ball aber knapp am rechten Pfosten vorbei. Kurz danach herrschte Aufregung, als Henrich Mchitarjan rüde gefoult wurde. Als sich die Rudelbildung aufgelöst hatte, sahen der Armenier sowie die Hannoveraner Ceyhun Gülselam und Manuel Schmiedebach Gelb.

Nach einer Stunde fiel dann das Tor - gegen Borussia Dortmund

Nach einer Stunde fand der Ball dann endlich ins Netz. Allerdings auf der völlig unvermuteten Seite: Hiroshi Kiyotake zirkelte einen Freistoß aus 20 Metern kunstvoll über die Mauer. Es war kaum zu glauben, aber Hannover führte. Es war das erste Auswärtstor, das Hannover in dieser Saison gelang. Kurz darauf hätten der Torschütze und Joselu den Vorsprung noch ausbauen können, scheiterten aber an BVB-Keeper Roman Weidenfeller.

Borussia Dortmund versuchte es weiter, doch auch der Flugkopfball von Ramos verfehlte das Ziel. Hannover kämpfte aufopferungsvoll, und schaffte es tatsächlich, den ebenso knappen wie wertvollen Vorsprung ins Ziel zu bringen. Und das in Unterzahl, weil Gülselam kurz vor dem Abpfiff mit Gelb-Rot vom Feld musste. Während das Team von Trainer Tayfun Korkut seinen ersten Auswärtssieg feierte, nimmt die Krise von Borussia Dortmund immer dramatischere Formen an.

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