0:1 in Mönchengladbach : Herthas Rumpftruppe geht die Puste aus

Nach der dritten Niederlage in Folge rutscht Hertha in der Tabelle auf Rang sechs. Auswärts haben die Berliner seit Anfang Dezember nicht mehr gepunktet.

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Berlins Valentin Stocker (r) und Genki Haraguchi diskutieren während der Partie.
Berlins Valentin Stocker (r) und Genki Haraguchi diskutieren während der Partie.Foto: dpa

Wenn ein junger Bursche von 19 Jahren gerade ein paar Minuten in der Bundesliga hinter sich hat und dann zum ersten Mal von Anfang an spielen darf, ist es vermutlich ganz hilfreich, wenn ihm auf dem Platz ziemlich schnell ein Erfolgserlebnis unterläuft. Jordan Torunarigha, der Nachwuchsspieler von Hertha BSC, hat diese Erfahrung im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach gemacht. Nachdem Jonas Hofmann in die Mitte gepasst hatte, musste sein Gladbacher Kollege Thorgan Hazard den Ball nur noch über die Linie stupsen. Torunarigha aber brachte seine lange Gräten noch in Position und blockte den Ball – da waren gerade 55 Sekunden gespielt.

Der junge Mann hinterließ auch in der Folge einen sehr abgeklärten Eindruck, überhaupt machten es die ersatzgeschwächten Berliner zumindest in der ersten Halbzeit sehr ordentlich. Trotzdem stand am Ende ein 0:1 (0:1) und damit die siebte Bundesliga-Auswärtsniederlage hintereinander.

Zehn verletzte oder gesperrte Spieler bei Hertha

Herthas Trainer Pal Dardai musste auf insgesamt zehn verletzte oder gesperrte Spieler verzichten; als letzter hatte sich Innenverteidiger John Anthony Brooks nach dem Abschlusstraining mit muskulären Problemen abgemeldet. Ursprünglich wollte das Trainerteam der Berliner mit Marcus Mlynikowski aus der U 23 einen weiteren Debütanten aufbieten, entschied sich dann aber dafür, Niklas Stark aus dem defensiven Mittelfeld in die Viererkette zurückzuziehen und Torunarigha als linken Verteidiger aufzubieten. Unterstützt wurde er immer wieder von Salomon Kalou, der sehr eifrig nach hinten arbeitete.

Überhaupt ließen es die Gäste, die erstmals erst am Spieltag per Charterflugzeug angereist waren, vor 44.347 Zuschauern nicht an Einsatz mangeln. Hertha verteidigte sehr aufmerksam und ließ wenig Chancen zu – bis auf eine Szene nach einer Viertelstunde. Nach einem Querpass von Lars Stindl gewährten Valentin Stocker und Vladimir Darida Gladbachs Sechser Laszlo Benes in zentraler Position erstaunlich viel Platz. Der Slowake versuchte es mit einem Flachschuss aus 23 Metern und traf zum 1:0 ins lange Eck. Im zweiten Bundesligaspiel war es für den 19-Jährigen das erste Tor.

Gladbach bis zur Pause mit deutliche besseren Chancen

Vielleicht war es die Aussicht, demnächst statt im Charter in der Pferdekutsche zum Auswärtsspiel anreisen zu müssen, die Hertha noch einmal anstachelte. Während sie die Gladbacher defensiv weitgehend im Griff hatten, hatten die Gäste bis zur Pause die klar besseren Chancen. Nach Umschaltmomenten wurden die Berliner immer wieder gefährlich, wenn auch nicht über Genki Haraguchi, der anstelle des gesperrten Vedad Ibisevic als nomineller Mittelstürmer auflief.

Nach rund 20 Minuten scheiterte Rechtsverteidiger Peter Pekarik mit seinem Versuch an Gladbachs Torhüter Yann Sommer, kurz darauf lief Alexander Esswein allein auf das Tor der Borussen zu, schlenzte den Ball aber knapp am Pfosten vorbei, und unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff traf Kalou mit einem Freistoß aus 20 Metern die Latte. Für Haraguchi standen zu diesem Zeitpunkt null Torschüsse und null Torschussvorlagen zu Buche.

Gladbach nach der Pause aggressiver

Zu Beginn der zweiten Halbzeit traten die Gladbacher deutlich fordernder auf. Sie griffen früher an und drängten die Berliner in deren Hälfte. Lars Stindl verfehlte mit einem Schuss aus der Drehung knapp das Tor, Hofmann setzte den Ball nach Vorarbeit von Herrmann deutlich über die Latte, und kurz darauf scheiterte erneut Stindl nach einem Konter an Torhüter Rune Jarstein. Dazwischen hatten aber auch die Berliner noch eine gute Chance: Kalou erwischte eine Flanke von Esswein mit dem Kopf, brachte den Ball aber nicht aufs Tor.

Doch generell gerieten die Berliner nun immer stärker unter Druck. Zeitweise wirkte es wie am Freitag gegen Hoffenheim, als Hertha allerdings mit einem Mann weniger spielte. „In der zweiten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt“, sagte Dardai. Hofmann traf binnen einer Minute gleich zweimal den Pfosten. So blieben die Gäste im Spiel, und Mitte der zweiten Halbzeit wechselte Dardai mit Sami Allagui einen frischen Offensivspieler ein – für Haraguchi, der auch nach der Pause nicht weiter aufgefallen war. Julius Kade, 17 Jahre alt, kam später noch zu seinem Bundesligadebüt für Hertha – der Ausgleich aber glückte den Berlinern nicht mehr. "Das Ergebnis geht in Ordnung", bilanzierte Dardai.

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